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Und die Liebe ist mein Atem - April 4, 2024

Und die Liebe ist mein Atem 11

Und in der auf dieses Abenteuer folgenden Nacht hatte ich einen bösen Traum. Ich sah meine geliebten Freunde, wie sie sich zu Hause im Meer vor den Ergüssen des Unrats und des Giftes in Sicherheit bringen wollten. Sie versuchten aus dem Wasser aufzutauchen, um Luft zu holen, doch die See war von einem dicken, schwarzen Mantel überzogen. Unsere Nachbarn, die Seevögel, wollten nach anstrengender Futtersuche auf dem Wasser landen, um ihre schon seetüchtigen Jungen zu füttern, doch sie drohten in Morast und Schlamm zu ersticken. Ihre Kinder waren nicht mehr. Die Früchte der Liebe und der Freiheit waren bereits tot, denn das Ausmaß der menschlichen Missachtung war zu dieser Zeit größer, als die Kraft des jungen Lebens.

Und ich sah auch die Menschen, wie sie fortan aus den trüben Wässern der Flüsse tranken, ihren Nachwuchs im Abschaum der Rücksichtslosigkeit wuschen und deren Nahrung aus dem Nass der Gedankenlosigkeit bereiteten. Die Menschen aber sahen nicht, was es bedeutete, wenn man mit trübem Wasser feuchtet, was einem lieb ist. Sie klagten über Krankheit und Verderben, Unglück und Hilflosigkeit.

Ich versuchte zu rufen. Nein, ich schrie und tobte, um auf mich aufmerksam zu machen. Sie aber hörten mich nicht. So aßen sie weiter von den Früchten, die auf ihrer eigenen Kloake wuchsen, nährten ihre Kinder mit den todbringenden Säften ihrer kranken Körper und atmeten jene Luft, aus der ihre Lunge Pest und Auswuchs filterten.

Ich weinte und rief all meinen Zorn in die Nacht hinaus, den Zorn einer scheinbar hilflosen Kreatur, die Wut, die Botschaft für die mit Ignoranz und Unsinn am meisten beschlagenen Geschöpfe sein sollte. Und mein eigener Ruf nach Einsicht weckte mich.

Nun erlöste mich die Ruhe der gehenden Nacht, der herrliche Gesang meiner gefiederten Freunde und das Rauschen des nahen Baches. Noch war es also nicht zu spät, um hinaus zu gehen und zu bewahren, was an Schönheit und Wichtigkeit kaum zu überbieten ist. Und so zog ich schon in dieser Nacht weiter, um den träumenden Menschen meine Geschichte ins Ohr zu flüstern.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten