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Und die Liebe ist mein Atem - April 1, 2024

Und die Liebe ist mein Atem 08

Und eines Nachmittags betrat ich einen tiefen Wald. Nach Stunden des Gehens und Staunens traf ich auf eine Waldlichtung. Millionen von Frühlingsknotenblumen bedeckten den saftigen Boden und unzählige Arme zahlreicher Bäche durchzogen das Grün der Wiese auf der ich nun saß. Es war Stille.

Plötzlich kam vom Westen her der Wind auf und das tiefe Rauschen in den Wipfeln der Bäume klang geheimnisvoll und kühl. Schon wurde der Wind zum Sturm und trug dicke, nasse Schneeflocken mit sich, welche das Weiß der den Boden bedeckenden Blüten in sich aufnahmen. Dieses bezaubernde Schauspiel dauerte nur einige Minuten, bis endlich die Sonne durch die dicken Wolken lugte und den Schauer vertrieb.

Der wundervolle Gesang des Amselhahnes über meinem Kopf querte die Lichtung und das angrenzende Dickicht. Es schien mir, als würde dieser anmutige Vogel seinen besten, letzten und reifsten Gesang darbieten, um hernach in Frieden ruhen zu können. Dann hielt er inne.

Am hinteren Rande dieser wundervollen Waldlichtung sah ich ein zartes, in Taft und Seide gekleidetes Mädchen auf Zehenspitzen über die Bäche springen. Seine Füße berührten den Boden kaum und die ausgebreiteten Arme waren voller Anmut und flügelgleich. Ich hielt den Atem an. Mein Erstaunen und die unbeschreibliche Zartheit dieses Wesens umarmten einander, sodass diese himmlische Fee mich mit ihren Blicken streifte. Dann kam sie näher und näher, bis sie nur Zentimeter an meiner Nase Stand: “Wer bist Du?”, fragte ich. “Philomena, mein Name ist Philomena.” flüsterte sie. Und zart, ganz zart hauchte sie mir ins Gesicht. “Wann immer Du nun traurig bist, denke an meinen Hauch und Du wirst Trost verspüren, denn die Liebe ist mein Atem.”

Philomena machte kehrt, hüpfte so leicht und einem Falter gleich über die Bäche fort und doch drehte sie sich noch einmal um. Kaum sichtbar lächelte sie mir zu, fasste in ihre Seite, holte weit aus und verstreute Tausende und Abertausende von glitzernden und schimmernden Kristallen. Plötzlich nahmen die Millionen von Frühlingsknotenblumen das Schimmern und Glitzern der Kristalle auf und zeigten goldene Spitzen an den Enden ihrer Blütenblätter. Dann war Philomena verschwunden.

Aus meinem Staunen wurde Glückseligkeit und ein Lächeln erhellte mein Gesicht. So stand ich auf, strich mit einer Hand über die glitzernden Blumen und küsste den Boden. Von nun an nannte ich diese Waldlichtung den “Garten Philomenas”.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten