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Schweinedoping - März 2, 2024

Buch ‘SCHWEINEDOPING’ – Kapitel 04

Titel des Kapitels: „Herrenvolk am Ende“. Wie herrlich doch die Ankunft in der Dominikanischen Republik war! Nach vielen Geschäftsreisen, einigen „Heimatbesuchen“ und unzähligen Stunden des Frierens in Europa hatte ich das Glück, endlich wieder „zu Hause“ zu sein – zu Hause in der Provinz Puerto Plata.

Schon am Flughafen empfing uns eine freundliche Transfer-Dame mit ihrer unverkennbar schweizerischen Begrüßung „Grüazi, Tom. So lange nicht gesehen!“ Meinen Lieben hatte ich erst jetzt gesagt, dass ich Flugverspätungen, Unpässlichkeiten an Bord und eventuell Regenwetter zum Reiseauftakt nicht ausgeschlossen hatte. Doch: Alles bestens. Und ich – als Leiter der Reportergruppe – war glücklich. Sehr glücklich. Es war mein Heiligabend – schon am 10. Dezember. Nun: Die Anreise zum Hotel war angenehm, die erste Nacht betäubend – weil von Müdigkeit getragen. Der erste Morgen am Strand war wie ein Wunder. Eines mehr, in diesem gesegneten Land. Die Ernüchterung kam prompt. Schon die erste Autoreise nach Cabarete hatte ungewollte Treffen (dererseits) mit Hochstaplern und Charakter-Feinden zur Folge. Doch noch schlimmer: Mein Freund Mei Fing (der Inhaber des China-Restaurants), einige liebe Bekannte und Einheimische meines einstigen Kreises waren – verschwunden. Nicht entfernt waren die Bösen. Die Knechte ihrer Eitelkeit, die Großmäuler und Blender, Betrüger und – die Meister im Missbrauch der Kindlichkeit. Gesprochen wurde vom „Club der Kinderhändler“ (die Bezeichnung wurde geändert – aus Rücksicht auf die Leser), von der Verteilung von Pokalen für die Vernichter der jüngsten Kinderunschuld. Die Macher und Führer dieser Riege: Deutsche, Schweizer und Österreicher.

Ich rufe deshalb aus: „Verflucht seid Ihr offenkundig alle, die Ihr dieses Land und seine unbedarften Bewohner schändet. Verflucht seid Ihr – bei Gott (welcher mir vergeben möge). Doch: Auch umarmt und herzlich begrüßt wurden wir. Von einigen Freunden, die selbst ihre Mitarbeiter durch die ganze Stadt sandten, um uns willkommen zu heißen. Nicht hofiert, sondern einfach nur herzlich und freundschaftlich empfangen. Diese Willkommensbezeugungen waren der Balsam auf unser aller Gemüt. Die Tinktur für unsere geschockten Geister.

Die Erstaussage einer meiner Mitreisenden: „Tom, also wenn Du sagst, fünfundneunzig Prozent der Dominikanischen Republik hätten schöne Eindrücke zu bieten, dann sehen wir hier die fünf Prozent allen Übels.“ Das, liebe Leute, das tat ihm weh, dem „Liebhaber“ dieser Insel. Doch Recht hatte sie – bedingt. Die Europäer, die wir sahen, wurden allesamt mit einem ad hoc und aus dem Stegreif ausgesprochenen „Vergehensprotokoll“ belegt. Schließlich hatte ich mich lange genug mit dem Aufspüren der Üblen befasst. Eine einst und wahrlich schaurige Sache. Heute bin ich betroffener denn je. Das Land speziell Cabarete, Sosusa und die Randbezirke Puerto Platas – werden zerbaut, zerstört und optisch verübelt. Die Dominikanische Republik selbst erfreut sich großer Urlauberströme. Das Volk hat wenig davon. Dies, zumal speziell die europäischen Reiseanbieter einen Killerkampf im Kommerz begonnen und die Hotelbesitzer preislich auf den Bauch gezwungen haben. Schade.

Die Abreise? Ein Krampf. Unzählige stockbesoffene, deutschsprechende „Fahnenträger“ drängten sich durch die geordneten Schlangen. „Hey, Baby, wat kiekst de denn so blöööööde? Haaast wooohl den A**** offen, oder wat?“ Bei derart sonderbaren Aussagen wird einem klar, wo die Reise hingeht. Es waren nicht zwei Kreaturen, die sich derart präsentierten, es waren vermutlich hundertsechzig (so die Aussage des Sicherheitsdienstes) von zwohundertundachzig. Meine Frage deshalb: Ist das selbsternannte „Herrenvolk“ am Ende? Oder ist das tatsächlich erst der Anfang?

Nur Gott weiß, wie werden wird, was werden soll. Doch wenn das der Ausdruck deutsch-europäischer Kultur ist, dann würde ich es vorziehen, meinen „Europäer-Pass“ rasch loszuwerden und in einem fremden Land um staatsbürgerlichen Einlass anzuklopfen.

Liebe dem Land, wahre Zuneigung den Kindern, den guten Menschen dieser Erde – und Glück.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten