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Criminal Law - Finance - History - Politics - Technology - Januar 15, 2024

Buch ‚ROTE SAU‘ – Kapitel 12

Am Abend jenes lauen April-Tages sollte ich die Premiere eines Musiktheater-Stückes zu Ehren des österreichischen Musikers FALCO besuchen. Die in der niederösterreichischen Landeshauptstadt gelegene Aufführungsstätte war zahlreich besucht, sodass das ausverkaufte Bühnenhaus aufgrund hervorragender Leistung der großartigen Tänzer unter tosendem Applaus der begeisterten Besucher erbebte. Im Anschluss an die Aufführung und nach Abarbeitung einiger Interviews trat eine Tänzerin auf mich zu und bat mich um ein persönliches Gespräch in Abgeschiedenheit. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie an diesem schönen Abend mit meiner Problematik störe, doch …“. Nun brach die Tänzerin in Tränen aus und mochte sich kaum beruhigen. „… doch werden wir hier wie Sklaven gehalten, müssen hungern und erhalten – sofern wir nicht nach Belieben der beiden Herren (Anmerkung: Gemeint waren der Ballett-Funktionär und dessen russischer Kollege) zur Verfügung stehen – täglich die Androhung der Deportation aus Österreich. Ich selbst habe ein Monatsbudget von EUR 15,00 (fünfzehn), sodass ich mir täglich lediglich eine Tafel Schokolade kaufen kann. Wenn wir den Chef um Essen fragen, meint er, die Hungerdiät sei durchaus gut für uns, da wir ansonsten allesamt fette Ärsche bekämen.“ Als ich der jungen Dame meine Verschwiegenheit zugesichert hatte, begab ich mich wieder in den Kreis der noch anwesenden Gäste. Rasch erreichte mich die Müdigkeit, sodass ich mich zur Nachtruhe zurück zog.

Am 27. April 2012 machte ich mich an die Abreise aus Österreich, erhielt jedoch noch vor Einstieg in das Flugzeug den Anruf eines Pressemannes, welcher mich zu den angeblich bestehenden Spannungen zwischen dem größten österreichischen Spielautomaten Hersteller sowie umstrittenen Betreiber von Spielhallen und dem durch mich in jener Zeit vertretenen Unternehmen befragte. Rasch wurde die Umsicht des Schreibers klar, sodass als thematischer Kern der Anfrage eine temporäre Kapitalschwäche des Milliarden Unternehmens übrig blieb. Kurz gefasst gab ich meine Antworten und eilte sodann an Bord des bereit gestellten Flugzeuges.

Nach ermüdender 26-Stunden-Reise war ich am Zielort an gekommen und verfügte mich auf direktem Wege in das 20 Fahrtminuten entfernte Hotel. Als ich der täglichen Routine folgend noch vor der Nachtruhe meine e-Mails prüfte, hatte ich bereits einen Seitenverweis auf den offenbar kürzlich erschienenen Zeitungsartikel des findigen Pressemannes erhalten. Hierin wurde dessen gesamte Recherche zu den Machenschaften des Glücksspielkonzerns und des schuldhaften wie ungeschickten Mutter-Tochter-Gespanns dargelegt, welches den enormen Außenstand zulasten meines damaligen Dienstgebers verursacht hatte. Zudem erreichte mich sofort nach Einschalten meines Mobiltelefons eine Nachricht des Stadtrats, deren Inhalt Ausdruck einer klaren Drohung war: „Tom, die werden Dich nicht lange leben lassen.“

Nach Absolvieren meiner Geschäftsreise und der erfreulichen Rückkehr nach Berlin erhielt ich erneut Nachricht von Stadtrat Natter*, welcher in der Wahl seiner Diktion noch deutlicher geworden war: „Tom, die alte Domtaler* (*Name geändert/Anmerkung: Mitglied der Geschäftsleitung des Glücksspiel-Unternehmens) hat mich zum Abendessen und der nötigen Unterredung eingeladen. Hierbei hat sie Deine unerbittliche Strenge kritisiert, zudem eingestanden, dass sie von Computern und Software nichts verstehe. Da Du die Damen (Mutter und Tochter) jedoch unerklärlich unter Druck gesetzt haben sollst, hätte man sich zur Kanalisierung der noch offenen Beträge samt Aufstockung auf EUR 100.000,00 zugunsten meiner Tibet Hilfe-Organisation und des Balletts der Stadt St. Pölten entschieden. Zudem würde man für die Dauer vonvorerst 24 Monaten auf großzügige Weise Veranstaltungen der Stadt (St. Pölten) sowie Projekte der Parteimitglieder (SPÖ) fördern.“

Tage später publizierte man den Glücksspielkonzern als Hauptsponsor des Balletts der Landeshauptstadt (Niederösterreichs) und sprach mir seitens der neuen Kulturverwaltung die künftige Zusammenarbeit ab. Monate später jedoch erschienen europaweit kritische Zeitungsartikel (Die Zeit: “Kampfzone der Glücksritter“ und “Wo der Rubel rollt“) zulasten des Automatenaufstellers und behandelte dessen angeblichen Gesetzeskauf in der 116. Sitzung des österreichischen Nationalrates.

Nun drehte sich Stadtrat Natter* im Stile seiner selbst und begann nach Maßgabe dessen Parteifreunde (SPÖ) mit der systematischen Vernichtung meiner Reputation in der Gemeinschaft kunstinteressierter Menschen des Landes. Auf Basis reiner Verbindungen zu Medienvertretern erhielt ich mehrfach e-Mails des Stadtrats an Redakteure und TV Produzenten zu gespielt, welche stets den Tenor “Vorsicht, Landon ist böse.“ in sich bargen.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten