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Criminal Law - Finance - History - Politics - Religion - Januar 11, 2024

Buch ‚Rote Sau‘ – Kapitel 11

Anlässlich seines 69. Geburtstages lud mich der Stadtrat (außer Dienst) am 23. März 2012 zu seiner Feier in Anwesenheit eines Kreises an Persönlichkeiten, welche nach wochenlanger wie strenger Selektion die zweifelhafte Ehre erhielten, ihrem Intimfeind Natter* den Judas-Kuss zu verabreichen. Nebst Bürgermeister und Kulturamtsleiter der Landeshauptstadt St. Pölten fanden sich auch zwielichtige Größen aus dem Milliarden schweren Glücksspiel ein, welche dem Stadtrat zur Vereinfachung seines tibetischen Knabenkloster-Projekts großzügige Finanzhilfe zugesichert hatten.

Bereits 90 Minuten nach Auftragen des jeweils präferierten Hauptgerichts verabschiedeten sich die ersten Gäste, sodass die Festivität knapp zwei Stunden nach Zusammenkunft ein Ende gefunden hatte. Zwecks Förderung des Stoffwechsels machte ich mich in Begleitung des Jubilars (Natter*) auf den Marsch um den Ratzersdorfer See. In gewohnt übler Manier begann der Stadtrat jeden einzelnen Gast mit Herabstufungen und Tiernamen zu bezeichnen, bis dessen Zorn seine Vollendung darin gefunden hatte, sich über die politischen Gegner aus den Lagern des BZÖ (“BZÖ“ = “Bündnis Zukunft Österreich“) und der FPÖ (“Freiheitliche Partei Österreichs“) her zu machen.

„Schau, alter Schwede, der Haider war eine schwule Sau, wurde von seiner Frau während einer homophilen Zusammenkunft mit Saif al Islam al Gaddafi im Bett erwischt und wurde zurecht vernichtet. Der Strache, dieser dumme Hund, wird der Nächste sein. Glaube mir: Mit den Leuten aus der Partei (Anmerkung: Mit jenen aus der SPÖ) ist nicht zu spaßen. Wann immer unsere Freunde mit den Regenten der Welt zusammen getroffen sind, mussten Feinde fallen. Erinnere Dich an Olof Palme († 28.02.1986) und Alfred Herrhausen († 30.11.1989). Also: Zügle Deinen Gerechtigkeitssinn und lasse Dich einfach nur feiern. Du bist jung, schön und kannst jedes Weib haben. Leider wirst Du für mich immer unerreichbar sein. Aber wie gesagt: Was fallen will, das muss man stoßen.“

Für 26. April 2012 folgte ich erneut einer Einladung des Stadtrates Natter, welcher – so seine Ankündigung – “existentielle Belange“ mit mir besprechen wollte. Hierzu sollte ich – wie mehrmals zuvor – sein Haus unweit der Landeshauptstadt St. Pölten betreten, um die Nähe zur Thematik zu haben. „Nun, alter Schwede, ich werde ja nicht jünger und deshalb habe ich mir gedacht, ich mache Dir ein Angebot: Du erhältst von mir mein Haus überschrieben und ich würde mich künftig nicht mehr in Einsamkeit verlieren. So gäbe es auch die Option, fallweise auf Deine Hilfe durch Nähe zurück zu greifen.“ Irritiert und ungehalten verwies ich erneut auf meine ausnahmslos heterogene Orientierung und schloss eine physische Nähe zu ihm, meinem Glaubensbruder und väterlichen Freund, vollends aus. „Bitte denke erst darüber nach, bevor Du mich zurück weist. Deine Homophobie verletzt mich sehr.“

Ad hoc wechselte der Stadtrat die Thematik und bat mich, einige seiner Photos von der Digitalkamera auf dessen Notebook zu übertragen. Gleichzeitig verbot er mir, jene Photos zu sichten, da diese „… sehr privaten Charakters …“ seien. Als der Übertragungsvorgang der digitalen Bilder ab geschlossen war, öffnete Natter dennoch eines der Bilder, sodass ich unschwer erkennen konnte, dass es sich um eine homoerotische Szene handelte. Sofort verbarg der Stadtrat das Bild und bat mich um ein weiteres Gespräch in dessen Küche. „Nun, ich möchte mich keinesfalls in Details verirren, doch bin ich seit gut 26 Jahren mit einem Mann aus Serbien befreundet. Dieser Bursche (Anmerkung: Der Stadtrat war knapp 70 Jahr alt) feiert im aktuellen Jahr seinen 38. Geburtstag und sollte ursprünglich mein Erbe sein. Da er mich mit seiner Ex-Ehefrau und einigen anderen Weibern immer wieder betrogen hat, mir gegenüber zudem mit gut 30.000,00 EUR in der Kreide steht, möchte ich mich an ihm rächen.“ Was nun kam, entsprach eindeutig der Anstiftung zur Straftat, da Natter* mich nach Möglichkeiten zur “körperlichen Schädigung seines serbischen Geliebten unter Einsatz von Schlägern“ fragte. „Ich möchte Radovan* (*Name geändert) bluten sehen. Niemals soll er vergessen, dass er tief in meiner Schuld steht und mir die Wiederherstellung seines zivilen Lebens verdankt!“

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten