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Finance - Politics - Januar 3, 2024

Buch ‚ROTE SAU‘ – Kapitel 06

Im Frühjahr 1994 entschloss ich mich zur Abreise in die ferne Dominikanische Republik. Die behördlich zuvor ausgesprochene Androhung des Entzugs der österreichischen Staatsbürgerschaft erschien mir für jene Zeit ausreichend Hinweis auf die vorzüglich distante Optimierung meiner politkritischen Aktivitäten. Rasch erhielt ich meinen Platz in der Ausländerkommune der Dominikanischen Nordküste und lernte sodann auch den verhurten Sohn des früheren Konsum-Vorstands (“KONSUM“ = “einstiger verstaatlichter Lebensmittelkonzern der Österreichischen Republik“) Edwin Schuster kennen. Trotz seines gänzlich haltlosen und überaus kostenintensiven Lebenswandels hatte Clemens (der Sohn des ehemaligen Vorstands) keinerlei wirtschaftliche Not zu befürchten. Sein Vater Edwin war einige Jahre zuvor noch Mitglied des hoch dotierten Managements jenes letzten teilverstaatlichten Lebensmittelhandels in Österreich gewesen. Nach offenkundig vorsätzlicher Vernichtung eines Milliarden-Budgets und Übernacht-Freisetzung von 16.500 Mitarbeitern folgte der nunmehr beklagte und verurteilte Griff in die mit Steuergeldern gespülten Firmenkassen. Da die Anlage der unterschlagenen Gelder in Österreich – wie im Rest Europas – kaum möglich war, transportierte des Generaldirektors‘ (außer Dienst) Filius in Bauchtaschen, Unterhosen und Schuhen den Millionen schweren Rest des von österreichischen Steuerzahlern gestellten Staatsvermögens. Flott wurde “der Bub“ (Clemens) seiner Wiener Verlobten überdrüssig, sandte diese samt Sohn zurück in die Metropole und machte sich an die Direktorin einer kapitalstarken Privatbank in Sosua (Dominikanische Republik) heran. Da jene solitäre Schöne wohl niemals zuvor ein derart intensives und feuchtes Fremdwährungsgeschäft hinter dem Bankschalter erlebt hatte, durfte “Señor Clemente“ die gesamte Diebesbeute des Vaters im warmen Schoß der frisch Verliebten anlegen.

Trotz mehrmaliger schriftlicher Hinweise auf die rege Unterschlagungstätigkeit der Schusters, die wissentliche Einbeziehung der österreichischen Tagespresse, des Österreichischen Innenministeriums, des zuständigen Untersuchungsausschusses und der niederösterreichischen Landespolitik verblieben jene (Hinweise) ohne Effekt. Zwischenzeitlich jedoch trug es sich in Österreich zu, dass im SPÖ manipulierten Strafrechtsprozess gegen die in Ungnade gelangten Granden Gerharter, Schuster, Ruthner und Hobl Urteil gesprochen wurde. So fasste Hermann Gerharter eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten und eine unbedingte Geldstrafe in Höhe von ATS 180.000,00 (rund 12.800,00 EUR) aus, während dessen Kollege Edwin Schuster zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten und einer Geldbuße in Höhe von ATS 72.000,00 (gut 5.000,00 EUR) verurteilt wurde. Erich Ruther kam mit einer 6-monatigen Freiheitsstrafe (bedingt) sowie einer Geldbuße in Höhe von 63.000,00 ATS (etwa 4.500,00 EUR) fort und der einstige Aufsichtsratspräsident Johann Hobl wurde gar frei gesprochen.

Bedenkt man, dass die Konsum-Pleite im Ausmaß von ATS 32.000.000.000,00 (etwa 2.300.000.000,00 EUR) gut 700.000 Genossenschaftsmitglieder mitunter deren Existenz gekostet hat, 16.500 Mitarbeiter bundesweit von jenem Niedergang betroffen waren, erscheinen die Bußgelder zulasten der abgeurteilten Verursacher Gerharter, Schuster und Ruthner durchaus als bittere Provokation im Unsinn der kleinen Anleger. Während Gerharter sich nach Bewältigung des KRIDA-Prozesses seinem Jura-Studium hingab, organisierte Schuster die Verbringung von ATS 11.000.000,00 (also immerhin etwa 790.000,00 EUR) nach Sosua (Dominikanische Republik), wo dessen Sohn die Stückelung dieser recht auffälligen Summe durch Bargeld-Transfers auf die Insel Providenciales (Turks- und Caicos-Gruppe), nach Nassau, Miami und Santo Domingo vor nahm. Gleichzeitig zur spielerischen “Veranlagung“ österreichischen Staatseigentums in der fernen Karibik setzte man in der Alpenrepublik die “Politik des frommen Schweigens“ fort. Die Größen vorweihnachtlicher (Dezember 1996) Schönwetter-Politik hüllten sich in fette Mäntel und schenkten uns ihr Schweigen.

Während man mit Sicht auf Zucker-weiße Gipfel dem politischen Winterschlaf entgegen gähnte, entwickelten sich in der ach so fernen Dominikanischen Republik die „besten“ Dramen für den Stift des skrupellosen Regisseurs. Jener Mann hieß Karl Teufl. Die Mutter seiner Kinder kämpfte, die Opfer seines „kaufmännischen Talents“ hungerten und die vom Volke finanzierten Leser seiner Lebensgeschichte bissen genüsslich in den Weihnachtsstollen. Staatsanwaltschaft Wien, Aktenzeichen 25 c VR 7522/01, Aktenzeichen/Vorgangsnummer 010723/3355-7, AZ/VN 10723/3354-5, AZ/VN 010723/3353-3 – LKA (Landeskriminalamt) Berlin. Die unter genannten Archiven geführten Aufzeichnungen beschreiben allesamt die unsinnigen Taten eines Menschen, dem man getrost die unglückliche Präsenz eines Staatsfeindes – zumindest aber eines Schwerverbrechers – zugestehen konnte. Die Vorwürfe im Detail: Dreifachehe (Trigamie), Anstiftung zum Mord, Mordversuch, schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Anstiftung zur Entführung, Anstiftung zur Falschaussage, falsche Zeugenaussage, Unterstellung, Meineid, Bestechung, Beihilfe zur Bestechung, Erpressung, Morddrohung, Veruntreuung, Steuerhinterziehung. Sämtliche der obgenannten Delikte wurden den sozialistischen Parteifreunden Schusters und Teufls gemeldet. Handlungsergebnis: Keines.

Per 29. November 1997 wandten sich fünf der schier unzähligen Geschädigten per Kläger-Post an den dereinst Fall-betrauten Oberrat Mag. Wendler von der Niederösterreichischen Sicherheitsdirektion. Die Botschaft: „Per nun erhalten Sie sämtliche Unterlagen zum bei Ihnen unter II-429/01 geführten Fall des Amstetteners Karl Teufl sowie unter gesondert geführtem Aktenzeichen in Bezug auf Straftaten des Herrn Schuster.“ Und: „Wir bitten um Ihren Rechtsbeistand!“ Nur einen Tag darauf erhielt ich Aufzeichnungen als Evidenz des Verschwindens zweier weiterer Kunden des niederösterreichischen Geschäftemachers und dessen Partners. Diesmal betroffen: Der Deutsche Peter Storck* (Name geändert) und der Österreicher Wolfgang Wilhelm (Name geändert). Nach Tagen vergeblicher Suche fand man die geschwächten Zeugen dennoch im übel verdreckten Gefängnis zu Sosua (Dominikanische Republik). Die Vorwürfe: Keine. Und wieder kamen im Verlauf der Gespräche mit den „im Interesse des Staates“ handelnden Polizisten die Namen Karl Teufl und Clemens Schuster hoch. Die finale Botschaft: „Sehr geehrter Herr Landon, aufgrund der großen örtlichen Distanz zwischen Österreich und der Dominikanischen Republik ist eine polizeiliche Intervention nicht möglich. Wir bitten Sie, in den Strafrechtsfällen Schuster und Teufl die lokalen Behörden zu bemühen.“

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten