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Politics - Januar 1, 2024

Buch ‚ROTE SAU‘ – Kapitel 03

An einem Freitagmorgen des noch jungen Mai 1992 erhielt ich den Anruf eines Photoreporters, welcher mich als Darsteller für die Aufnahme einiger Schmuckbilder buchte. Kurz nach Zustieg in seinen PKW läutete dessen Mobiltelefon. Um weiterhin beidhändig fahren zu können, aktivierte der Pressemann die Freisprecheinrichtung seines Apparates. „Servus, alter Schwede!“, grüßte der Stadtrat. „Du, der Bürgermeister braucht einige aussagekräftige Aufnahmen. Kann man hierfür etwas arrangieren? Geldlich wird man sich sicher einigen.“, ergänzte dieser nun. „Du, ich bin eben auf dem Weg zu einer anderen Sache, ich melde mich etwas später.“, antwortete der Medienmann entschieden und beendete das Telefonat. „Siehst Du, mein Freund, ein kleines Arschloch muss man schon sein. Du darfst Dich niemals unter Deinem Preis verkaufen. Diese roten Idioten brauchen dringend gute Presse und zahlen beinahe jede Summe, um ihre Nasen auf den Titelbildern der Tageszeitungen zu wissen. Aber: Die Schwarzen zahlen einfach besser.“ Punkt.

Als hätte er den Vertretern der Volkspartei seine Bereitschaft zur Annahme des idealen Honorars per Induktion transferiert, läutete das Telefon erneut: „Servus, mein Freund. Hier ist Dein Landeshauptmann. Du, ich bräuchte bitte eine schöne Titel-Story, damit wir es dieser roten Brut endlich zeigen können.“ Noch ehe mein Bekannter im Dienste der größten österreichischen Tageszeitung zustimmen konnte, führte der Landeshauptmann zu Ende, was bis eben noch unausgesprochen war: „Wenn Dir das beliebt, dann machen wir das wie immer – also mit den Fünftausend. Gut?“ Das kurze “Ja“ des Pressemannes reichte, um den Kauf dieser “Berichterstattung“ zu goutieren. Gleich war das Telefonat wieder beendet und breit grinsend versicherte mir der Medienmann seine Detailkenntnis um die Korruption in allen politischen Lagern. Wohl seien Vertreter beider Großparteien dazu bereit, für Gut-Geschichten zu bezahlen, doch wäre niemand so skrupellos, wie die Horde jener sozialdemokratischen Regierung der niederösterreichischen Landeshauptstadt, durch welche selbst Kollegen und Freunde aus den eigenen Reihen ohne Zögern verraten und verkauft würden. Als der Schmuckbilder-Job erledigt war, klingelte mein Telefon: „Servus, alter Schwede, hier ist Helmfried* (der Stadtrat/Anmerkung). Kürzlich hatte ich ein Telefonat mit Deinem Busenfreund, dem fetten Pressemann. Also, das ist eine absolute Drecksau! Für die Schwarzen bringt der alles in die Zeitungen, für uns macht der nichts. Ich möchte deshalb, dass Du Deine Freundschaft zu diesem Arschloch sofort aufkündigst und Dich vermehrt für unsere Belange einsetzt. Du weißt: Eine Hand wäscht die andere.“ Da ich Freundschaften per Grundsatz nicht opfere, dies noch weniger zur Erlangung von Vorteilen praktiziere, lehnte ich ab und wurde vom Stadtrat prompt bedroht: „Du weißt, mein Lieber: Was fallen will, das soll man stoßen. Ich vergesse Dir die guten Taten nicht, doch werde ich auch Deine Ablehnung nicht vergessen.“ Diese Botschaft hatte ich zweifelsfrei verstanden und verabschiedete mich höflich.

Am nächsten Morgen wurde ich erneut angerufen. „Hallo, alter Schwede, ich möchte Dich zu einer Fahrt nach Wien einladen. Wir werden einige Partei und Politiker-Kollegen treffen, doch zuvor einen Buchladen besuchen. Gestern war ich wohl etwas ungehalten. Vielleicht kannst Du mir dies nachsehen.“ Mein Desinteresse ignorierend, nannte mir der Stadtrat einen Zeitpunkt zur Abholung und legte auf. Um 14.00 Uhr jenes Tages stand ich zur Mitfahrt bereit und erfuhr sodann im PKW des Stadtrates ein weiteres Detail zu dessen Tagesplanung. Noch vor der Abfahrt nach Wien sollte ich seine Wohnung besichtigen und wurde nach Eintreffen in dessen Domizil vor eine Art “intimer Knabengalerie“ geführt. „Das sind alles meine Gurus.“, versicherte der Stadtrat mit einem unsauberen Grinsen. Da ich wohl unschlüssig, doch nicht wissend war, was die geschlechtliche Orientierung dieses Mannes anlangte, drängte ich trotz empfundener Erstarrung zum Abgang und sprach knapp, wie unüberlegt: „Das ist ja widerlich. Diese Burschen sind wohl zwölf (12) bis vierzehn (14) Jahre alt. Warum zeigst Du mir diesen Scheiß?“ Merklich verunsichert antwortete der Stadtrat: „Bist Du etwa ein Schwulenhasser?“ Ich entgegnete: „Ich hasse niemand und nichts, doch mag ich ausnahmslos Frauen und empfinde die “männliche Gleichgeschlechtlichkeit“ als abstoßend.“ Nun konterte der Stadtrat und sagte: „Also, hätte ich Dich bei meinen Freunden in Wien nicht bereits angekündigt, würde ich unseren Tagesausflug nun absagen.“ Entschieden hielt ich dagegen: „Wohl schätze ich Deine Bemühungen, doch habe ich Dich nicht darum gebeten, mich Deinen Freunden vor zu stellen. Du bist frei in Deiner Entscheidung, kannst also sagen ich wäre plötzlich gestorben. Schon wärst Du mich los.“ Kryptisch antwortete der Stadtrat: „Wenn Du so weiter machst, wird man Dich ohnehin nicht lange am Leben lassen.“ Schweigend verließ ich sein Appartement und nahm dennoch in dessen PKW Platz.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten