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Criminal Law - Health - History - Nature - Religion - Februar 19, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 21

Mein durchaus andersartiger Lebensstil war auch den zahlreichen alleinstehenden Nachbarinnen schweizerischer und deutscher Herkunft nicht entgangen. So erhielt ich eines Nachmittags Besuch von Jacqueline, einer Dame aus dem Schweizer Kanton Appenzell. Diese überaus hübsche und keinesfalls prüde junge Dame betrat also mein Appartement im String Tanga-Höschen und ohne Büstenhalter. Ungefragt setzte sie sich auf die der Tür zugewandte Seite der Couch, breitete ihre Arme aus, sodass sich die volle Pracht ihres Busens darstellen ließ, hob ihre Beine auf die Sitzfläche und öffnete ihren Schritt – weit. Zu sehen war ein markant feuchter Streifen exakt über ihrem Dom. Jacqueline hatte offenbar eine freudige Nacht absolviert. „Was darf ich für Dich tun, Jacqui?“, fragte ich. „Nun, ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen soll. Lass uns einfach nahe sein.“ Dieses lächerliche Spiel machte mich stutzig, da mich Frauen in derart offensiver Manier stets nur dann aufsuchten, wenn sie entweder ein hübsches körperliches Erlebnis oder Kohle (Geld) mit und von mir wollten. Also verkürzte ich in meinem Interesse und Jacqueline zum Wohle den Weg: „Möchtest Du Küsse und Innigkeit oder was liegt an?“ Sie antwortete: „Danke, Küsse hatte ich heute Nacht schon viele. Ich kann kaum sitzen und noch weniger gehen. Tom, kannst Du mir bitte 15.000 US$ leihen?“ Wie einfach doch die Zielfindung bei der Wahl des richtigen Weges ist. Also antwortete ich: „Jacqueline, Du verdienst monatlich knapp 4.000 DM (Deutsche Mark) netto und bittest mich um Geld? Wie mir Deine Mitbewohnerin mitteilte, hattest Du nächtens zwischen 02.00 Uhr und 07.00 Uhr Gesellschaft von vier einheimischen Böcken. Im Verlauf jenes obskuren Stoßverkehrs hättest Du gewiss einen oder alle vier um etwas Schotter bitten können. Oder wie?“ Jacqueline war ob meiner Offenheit empört: „Arschloch!“ Höflich bat ich Jacqueline, mein Appartement zu verlassen und wählte hierzu folgende Worte: „Jacqui, bitte hebe Deinen süßen, kleinen A**** von meinem Sofa, schreite auf Deinen hübschen Beinen zur Terrasse und verhülle vor dem nächsten Besuch bei mir bitte Deine lieblichen Hügel. Danke.“ Nun war die Schweizerin außer sich: „Drecksau!“ Mein freundliches Lachen zum Abschied sollte sie bis an die Pforte ihrer Wohnung begleiten.

Lediglich eine halbe Stunde nach dem hitzigen Abgang von Jacqueline ertönte der Türsummer. Da ich nach Öffnen der Appartement-Pforte durch das Glas des Haustores Renate erkennen konnte, war mein durchaus witziges Vorerlebnis neutralisiert. Wann immer diese Frau auftauchte, erhielt ich aus deren Schnabel die Mitteilung, dass sie sich wohl wieder von einem ihrer zahllosen Liebhaber getrennt hatte. Diesmal sollte die Gute grausam alkoholisiert und annähernd besinnungslos bei mir eintreffen: „Schatzilein, hast Du mich schon vergessen? Deine (Fast-)Frau ist extra aus Punta Cana eingeflogen, um endlich wieder einmal ordentlich zu bu****.“ Demonstrativ blickte ich über meine Schulter, um zum Ausdruck zu bringen, dass ich mich gewiss nicht richtig tituliert fühlte. Renate stellte den den rechten Fuß in die Tür und wollte – so deren Forderung – noch eine einzige Nacht mit „ihrem Verlobten“ verbringen. Da ich weder Freude an einem ambulanten F*** noch an der Präsenz einer verhurten Alkoholikerin in meinem Bett hatte, teilte ich – gewiss auch aus Hygienegründen – unmissverständlich mit, die umtriebige Rothaarige nicht einlassen zu wollen. Ihrerseits tränenreich fiel die Verabschiedung aus und sollte niemals mehr ein persönliches Treffen nach sich ziehen. Wie froh ich doch war.

Pünktlich um 19.15 Uhr abends trat die Dunkelheit ein. Die Schwüle war grenzwertig und auf dem Weg zur brütenden Hitze. Gegen 19.45 Uhr ereilte mich der Anruf eines langjährigen Freundes: „Tom, bitte fahre rasch über die Carretera Turistica an die nächste Stadteinfahrt und halte Deine Blicke links. Du wirst ebenda eine blonde Deutsche an den größten Baum des Umfelds gebunden finden. Halte Dich jedoch gebührend fern. Deren Mann schießt auf jeden, der die Gute losbinden möchte.“ Meiner Helferneigung folgend, begab ich mich wider meiner über Jahre praktizierten Vorsicht an jenen Ort und fand in der Tat eine etwa 45jährige Blonde vor, welche vollends nackt und mit weit geöffneten Beinen an den besagt größten Baum der Umgebung geknüpft war. Um den Hals trug die Geschändete ein Schild mit der Aufschrift: „Frei**** für jeden. Diese Frau hat mich nach 22 Ehejahren binnen weniger Wochen mit 15 haitianischen Gärtnern und Bauarbeitern betrogen. Da sie mit jedem verkehrt, darf nun jeder bekommen, was sie mir verwehrt. Gezeichnet: Der Ehemann.“ Entschlossen trat ich auf den am Straßenrand verweilenden vermeintlichen Gatten zu und bat ihn, die Dame vom Baum zu nehmen. Wie mir nun erklärt wurde, war der Angesprochene keineswegs der Ehemann, vielmehr einer von bis dahin bereits 25 Taxifahrern, welche innerhalb der letzten 1,5 Stunden wiederkehrend die erzwungene Gunst der Frau konsumierten. Der Ehemann selbst sei mit Prostituierten zugange und die angeblich Geschändete würde jeden bespuckt haben, der versuchte, sie zu befreien. Eher wäre diese dreckige Satire Teil eines kranken Rollenspiels. Und tatsächlich kam ein Kleinbus mit etwa 30 haitianischen Zuckerrohr Schnittern. Als die blonde Deutsche den kommenden Kandidaten freudig begrüßte sowie verbal animierte, bestieg ich meinen PKW und fuhr nach Hause. Vieles hatte ich bis dorthin bereits erlebt. Wie weit die Abartigkeit fern der körperlichen Liebe führt, ließ man mich an jenem Abend erkennen.

Es war Nacht und wissentlich der Übergang vom 13. auf den 14. November 1997. Der konsumierte Tag belohnte seine Lebenden mit Schattentemperaturen bis 42 Grad und einem leichten Wind entlang der Küstenlinie zu Camino del Sol. Die Finsternis war windstill, heiß und trug schwere Luftfeuchtigkeit mit sich. Mein täglicher Ohnmachtsschlaf hatte diesmal um 21.15 Uhr begonnen und sollte um 00.30 Uhr eine unvorhergesehene Unterbrechung erfahren: Durch einen sonderlich kalten Luftstrom erhielt ich die nicht verbalisierte Ankündigung des Besuchs einer Empfindung -, vielleicht sogar eines Geistwesens. Wenn ich nun so vorsichtig formuliere, geliebte Honigmaus, dann deshalb, da ich nicht berufen bin, vom “Besuch eines Toten“ zu schreiben. Was ich jedoch behaupten darf, ist mein Wissen um das zögerliche Bitten meines Vaters um Verzeihung. So wähnte ich dessen Seele am Fußende meines Bettes und vermochte klar definierte Botschaften zu verstehen. Die Essenz: „Geliebter Sohn, hier bin ich, da ich nicht von Dir loskomme, ohne Deiner Vergebung sicher sein zu dürfen.“ Von Herzen und liebend gerne dachte ich versöhnend an ihn, mit ihm und für ihn. Just in diesem Moment sprach ich ihm jenes Gedicht, welches ich ihm Jahre zuvor bereits widmete:

„Eine Ode an den Vater:

Warum?
Warum nur Du mich Scheusal nanntest,
was hat man Dir getan?
In Sucht Dich und so Hass verranntest,
mein Tod Dein Ziel im Wahn.
Den Absatz mache, weil so sehr,
so sehr geliebt ich Dich – als Kind;
das Kind den Vater nannte,
die Liebe bald verblich.
Dein Vater – wie er, so Du -,
die Lehre, die Dich finden sollte,
Dich, Kind Du warst, verfehlte;
traf Fuß, statt Herz,
auch Verse nicht.
Dein Abschied, so gebührlich – nicht –
auf Deinem Schoß ich saß,
zum Schluss sei dies ein Kuss auf Stirn,
der Kuss, den man vergaß.“

Da ich bis zu jener Nacht meinen Todestag kannte, durfte ich diesen zur Kompensation meiner Vergebung getrost vergessen. Der in meine Nähe gebrachte Kelch war an mir vorüber getragen worden.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten