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Corruption - Criminal Law - Finance - Health - History - Nature - Politics - Religion - Februar 18, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 19

Auf dem Rückweg in die Hügel zu Sosua, dem Wohnort von Karl, teilte sich dieser ängstlich, doch wissend mit, um weiteres Unheil von den am Haus verbliebenen Kindern (Juan und Maria) abzuwenden. Entschlossen nannte er mir Namen wie Aufenthalt der Gründer jener Schänder-Loge (Zephisten) und bat mich flehentlich um rasches Handeln. Karl war nun zum Schutze seiner unbehelligten Kinder heim gekehrt und verriegelte vorsorglich auch die stählernen Zaungitter vor Fenstern und Türen. Binnen Stunden hatte ich jeden der dreckigen Konspiranten lokalisiert, photographiert und dessen Biographie mit Hilfe der zuständigen Auslandsvertretung geklärt. Nun brachte sich mein langjähriger Freund und Glaubensbruder Thomas (selbst Vater des kleinen Nelson und Gatte des Weibes seiner Wahl) aus dem Deutschen Schwarzwald ein, um mir einen der feigen Finanziers dieser Mördergemeinde zu nennen. Es handelte sich hierbei und zu meinem schwindelerregenden Erstaunen um einen gewissen “Senior Carlo“ (bürgerlich ebenso “Karl“) aus dem niederösterreichischen Amstetten.

Carlo nun war ein ziviler Versager mit dem Hang zur lächerlichen Millionärsmethodik, welcher sämtliche seiner bisherigen Geschäftspartner und Kunden um Millionen betrogen hatte. Unverzüglich begann ich mit der Aufdeckung der Machenschaften meines Landsmannes und wühlte nur teilbewusst in den Tiefen des von Carlo geschaffenen Sumpfes. Überraschend wurde Thomas in Santiago de los Caballeros unter dem konstruierten Vorwurf der Geldwäsche verhaftet und kam nach Zahlung einer horrenden Summe wieder frei. Einer ebenso kläglichen wie todbringenden Aussprache mit Carlo folgend, traf sich Thomas mit dem designierten Mörder seinerselbst. Als Carlo im Verlauf jenes Vier-Augen-Gesprächs dem Gutgesinnten eine versöhnliche Erfrischung eingoss, floss mit dem klaren Gerstensaft auch eine Überdosis Glycol in das Glas des jungen Familienvaters. Thomas starb in den Armen des spöttischen Serienmörders und hinterließ eine trauernde Witwe sowie einen für immer nach dem Vater rufenden Sohn.

Nun überschlugen sich die Vorkommnisse um die Aufdeckung der Zephisten-Loge: Nachdem nebst dem Anschlag auf Linda und der Tötung meines Freundes Thomas noch zwei weitere Mordversuche an Mädchen unter zwölf publik wurden, fand sich endlich eine wütende Gemeinde von Vätern, Brüdern und Cousins (welche allesamt im Dienste des lokalen Militärs standen) der geschändeten Kinder zur Hinrichtung des Höllenhundes aus Amstetten. Während der überzeugte Trigamist Carlo sich in der grässlichen Freude um die vermeintlich bevorstehende Vernichtung von Zeugen und Opfern am herrschaftlichen Abendmahl seines nicht minder feudalen Wohnsitzes delektierte, näherten sich die Rächer der auf Lebenszeit gebrannten Kinder. Unter effizientem Einsatz ihrer großkalibrigen Schusswaffen verschafften sich die sieben Männer Zutritt zur “Villa Carlo“, fassten sich den nunmehr bleichen Hosenpisser, setzten eine doppelläufige Schrotflinte auf dessen Schwanz, führten den Lauf einer weiteren in dessen Kehle und sprachen: „En el nombre nuestra hija, mi hermana y mi prima („Im Namen unserer Tochter, Schwester und meiner Cousine).“ Binnen dreier Sekunden sollte die grausame Existenz des Mörders durch Mord ein Ende finden. Da bekannt war, dass selbst die mexikanische Frau des jüngst exekutierten Carlo dessen Vorlieben stützte, traf auch sie eine nicht mindere Strafe: Die Häscher der geschändeten Mädchen vergewaltigten die Witwe des Teuf(e)ls aus Amstetten bis zur Besinnungslosigkeit und schlossen diese mit der Leiche ihres Führers in das bis dato gemeinsame Schlafzimmer ein. Tage später fand man sie regungslos neben dem verwesenden Körper ihres Carlo, nachdem sie offenbar bereits begonnen hatte, ihre eigenen Fäkalien zu konsumieren.

Der letzte Täter in der Vorstufe zum Opfer war Klaus aus Deutschland. Seine vom täglichen Alkoholkonsum und der über Jahrzehnte genährten Fettleibigkeit zerstörte Ehefrau Hannelore war ob ihrer körperlichen und neurologischen Befindlichkeiten des polygamen Gatten unliebsames Hindernis auf dem Weg zur finanzierten Vielweiberei. Wiederkehrend benötigte die geschasste Unschöne medizinische Hilfe zur Vermeidung einer latenten Abasie (der psychisch bedingten Gehunfähigkeit). Eines Morgens ertönte das ängstliche Geschrei von Hannelore aus dem mit Klaus bewohnten Appartement. Ein mir als Pferdeknecht bekannter Alkoholiker deutscher Nationalität trat an meine Terrasse und bat um Alarmierung der Ambulanz. Just in jener Minute war aus der Nachbarwohnung der schwere Fall eines menschlichen Körpers zu vernehmen. Klaus jaulte kurz und teilte so mit, dass seine Hannelore eben den Geist aufgegeben hatte.

Sein vorrangiges Interesse galt gut hörbar der Bewahrung seiner Perserteppiche vor der Verschmutzung durch das aus Hannelores‘ Körper ausgetretene Blut. Denn: Klaus hatte Olav, einen der Deutschen Justiz entsprungenen Trickbetrüger engagiert, um Hannelore im Rahmen des inszenierten wie todbringenden Doktorspiels die 10-fache Dosis eines Blutverdünners zu verabreichen. Hannelore hatte – so deren frühere Erzählung – bereits drei Operationen am offenen Herzen überlebt und bedurfte absoluter Ruhe sowie einer ausreichenden Blutgerinnung. Meine stets freundliche Nachbarin war also eindeutig der grässlichen Motivation des dümmlichen Gatten zum Opfer gefallen.

Am gleichen Tag beauftragte Klaus die eilige Obduktion des Körpers seiner zu Tode gebrachten Frau und erhielt sinniger Weise letzte Aufnahmen des vollständig geleerten Abdomen seiner früheren Geliebten. Binnen 48 Stunden ließ Klaus die sterblichen Überreste der Verblichenen am Friedhof zu Cabarete vollständig einzementieren, sodass eine zu erwartende Exhumierung kaum möglich erschien. Denn: Die vom Ableben der Mutter informierte Kinderschar wollte den plötzlichen Tod der Betrogenen begründet nicht hinnehmen. Die am seelenlosen Leib seiner Ehefrau verbliebenen Schmuckstücke, also Ohrgehänge, Geschmeide, Armbänder und Uhr hatte Klaus – dem preußischen Grad seiner Gewissenhaftigkeit entsprechend – vorsorglich an sich genommen, bevor jene güldenen Kostbarkeiten womöglich in Verlust geraten konnten.

Nun, Hannelore war zu Grabe gebracht, Klaus durch regen Geschlechtsverkehr mit jugendlichen Prostituierten aus den geringen Tiefen verzweiflungsloser Trauer geführt und Anna (eine 15-jährige Dumme) als neue Gespielin des einstigen Postbeamten zur Erbringung niederer fleischlicher Dienste einquartiert. Sinniger Weise erhielt das Bräutchen den Schmuck der toten Hannelore als nicht unedlen Willkommensgruß. In Badeschlappen, weißen Tennissocken, kurzen Hosen und fleckigem T Shirt führte mir Klaus sodann seine minderjährige Dirne vor und rief jenes unansehnliche Wesen als seine Verlobte aus. Anna war 15, Klaus zählte 20 Jahre vor seinem kürzlich gefeierten Wiegenfest 55 Lenze. Der unerträgliche Altersunterschied von 60 Jahren war mir eine eilige Nachricht an die Staatsanwaltschaft Sosua wert. Zwölf Stunden später traten Polizei, Schnellrichter und Jugendschützer an die Pforte des Frischfleischers, holten die schmale Anna heim und den grauen Klaus hinaus.

Betroffen von der Vielzahl bedauerlicher Vorkommnisse beschloss ich spontan eine Fahrt nach Rio San Juan. Unsinniger Weise bekam mein Fahrzeug auf halbem Wege noch zwei Projektile aus dem langen Gewehrlauf eines Heckenschützen ab. Der Grad meiner Fassung ließ mich jedoch weder erzürnen, keinesfalls aber dem Schrecken unterliegen. Ich war über die Jahre meines Lebens in der Dominikanischen Republik auf die Hinnahme derartiger Störversuche geeicht. Nach etwa halbstündiger Reise bog ich auf einen matschigen Weg ab und hielt den PKW an. Frontal zeigte sich mir ein Schild mit der Inschrift “La Plantación“. Bereits vor dem Verlassen des Fahrzeugs mühte sich der liebliche Duft von Mangoblüte und Süßlimone an meine Sinne. Zur Freude über das Erreichen einer scheinbar andersartigen Welt gab ich meinem Trieb zur Erkundung dieses mystischen Bodens nach.

Aus einer Reihe kräftig gewachsener Bananenstauden trat nun jene Dame heraus, welche sich mir als die Gattin des Fruchtbauers vorstellte. Nach freundlicher Begrüßung bat man mich um Geduld bis zum Eintreffen des Gatten. Minuten später schritt ein Mann auf mich zu, welchen ich ob der ihm inne wohnenden Stille als den “König der Bienen“ erkennen konnte. Oder anders: Ich erhielt die Rechte jenes Mannes zum Gruße, welcher mich und mein Bitten offenbar sofort erkannte: „Senior Landon, es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen. Viel habe ich über Sie gehört. Ihr Besuch komplettiert mein Tagesgeschehen. Meine Freunde nennen mich Alfredo.“ So sprach ich: „Senior Alfredo, unsere Begegnung erfüllt mich mit Freude. Ich danke Ihnen, dass Sie sich für die Dauer meines Besuches Zeit nehmen. Liebend gerne würde ich Ihre Bienen hören, deren Honig erwerben und etwas Bienenwachs, Propolis und Gelée Royal erbitten.“ Senior Alfredo antwortete: „Alles habe ich für Sie bereit. Wohl wusste ich nicht, wann Sie kommen, doch hatte ich gehofft, dass Sie mir eines Tages die Ehre geben.“ Nach all jenen schrecklichen Ereignissen – und es sollte an diesem Tag noch ein weiteres folgen – war ich von der Vorausschau des Imkers bis an das in meinen Herzkammern befindliche Blut berührt. Tief und ergeben verneigte ich mich vor der Größe dieser Gestalt und dankte innig. Nun bat mich Senior Alfredo, ihm in die Weite des Palm- und Staudenhains zu folgen. Zart steigerte sich das Summen der unweit wohnenden Bienen und Sekunden später tat sich mir eine kleine, sonnendurchflutete Lichtung auf. Vor mir lagen Meterstücke einst mächtiger Palmen, deren Holz durch die enorme Luftfeuchtigkeit
aufgeweicht und den schlanken Bienen zur Behausung geworden war. Gut eine Stunde durfte ich neben dem flüsternden Alfredo dem Schaffen der treuen Arbeiterinnen beiwohnen, um mich pünktlich zum Aktivieren der manuellen Honigschleuder zu erheben. In seiner Großzügigkeit reichte mir Senior Alfredo drei Gläser jungen Honigs, ein großes Waben Segment, ein Gläschen Propolis und zwei Glasröhrchen mit Gelée Royal. Zur absoluten Krönung meiner bescheidenen Anwesenheit erhielt ich noch eine mit Blütenhonig gefüllte Mango-Hälfte zum sofortigen Verzehr. Die bezaubernde Süße jener fruchtigen Speise erfüllte mein Antlitz mit dem Lächeln der Schonung und gab mir gewiss jene Kraft, welche ich zur Bewältigung des sodann kommenden Ereignisses gerne aufnahm.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten