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Corruption - Criminal Law - Finance - Health - History - Politics - Februar 16, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 17

Nach vier Jahren der eheähnlichen Beziehung zu Renate (der Untreuen) buchte ich spontan eine Flugreise in die Dominikanische Republik. Bereits nach drei Wochen des Aufenthalts in diesem bekannt schönen Land und der bevorstehenden Rückkehr nach Österreich ereilte Renate eine massive Depression. Keinesfalls wollte sie zurück in die ihrerseits verhassten Gewohnheiten und bat mich deshalb, den dauerhaften Verbleib auf der Insel Hispaniola zu bedenken. Binnen Sekunden hatte ich den Entschluss gefasst und buchte Stunden nach der Rückkehr – die Wiederkehr und den permanenten Aufenthalt.

Der noch bestehende Dienstvertrag mit einem Salzburger MRT-Institut hielt Renate drei weitere Monate in Österreich fest. Tränenreich und bedauerlich waren die Trennungsmonate, wild und hitzig empfand sich die Reunion im zwischenzeitlich angemieteten Strand-Appartement. Unser beider Leben erhielt eine bis dorthin unbekannte Langsamkeit und meine Augen eine Sichtweise, deren Radius um die bis dato nicht dagewesenen Perspektiven erweitert wurde: Meine Verlobte wünschte sich farbige Kinder. Ich konnte ihr mit keinem noch so extremen Beischlaf helfen. Die sich abzeichnende Krise blieb auch dem sehr gemochten Nachbarn Fréderic (einem Deutsch-Amerikaner) nicht ungesehen: „Tom, Du musst Deine Renate heiraten. Zum berauschenden Sex braucht eine Frau stets Gewissheit. Ich werde die Verlobungsfeier für Dich ausrichten und möchte später Dein Trauzeuge sein.“

Der gute Fréderic organisierte und buchte einen Stab an Helfern, Köchen, Musikern und wenig bedeckten Kellnerinnen. Passend zum beige glasierten Kuchenturm (einer fetten, zuckrigen und bunten Hochzeitstorte) – so seine laszive Bemerkung – schenkte er sich anlässlich meiner Vermählung den hübschen Ausblick auf die wippende Busenpracht seiner Freudenmädchen. Wohl waren diese Bräute für die Tätigkeit der Serviererin gänzlich ungeeignet, doch verrenkte sich der gute Fréderic nach dem Sturz eines jeden Messer und der nicht wenigen Teller den Nacken nach den strammen Gesäßen seiner “Morenas“. Nach Beendigung der Feierlichkeiten zogen sich Renate und ich in das Dunkel der obligatorischen Nacht zurück und Fréderic buchte seine sportlichen Mädchen für ein nächtliches “Heimspiel“. Hernach kam, was für den alten Fred bis dorthin noch undenkbar war: Aus für ihn unerfindlichen Gründen wichen binnen Minuten seine Bediensteten für eine halbstündige Absenz und ließen ihn in seiner 14-Zimmer-Villa alleine. Es folgten ebendann die vermutlich schmerzlichsten 30 Minuten seines Lebens: Drei maskierte Räuber drangen in sein Haus ein, brachen ihm kommentarlos die linke Hüfte, schlugen in beträchtlich und raubten sämtliche Bargeldbestände (rund 25.000 Dollar) sowie die vollständige Ausrüstung an elektronischen Geräten. Nach nicht minder schleichender Rückkehr seiner Mitarbeiter eilte Haushälterin Maria an meine Tür und rief mich an die Seite des gemochten Nachbarn. Fluchs fuhr ich Fréderic nach Puerto Plata und wurde mit ihm in der einzig akzeptablen Privatklinik des Dominikanischen Nordens vorstellig. Die dem Klinikleiter präsentierte Zusammenfassung des Geschehenen brachte ein Feedback: „Oh, ich vermute einen Hüftbruch. Hierzu müssten wir sofort operieren. Macht mindestens 72.000 US$. Zahlen Sie in bar oder per Kreditkarte?“ Fred hinterlegte seine Platinkarte (er war Gründungsmitglied und Mehrheitsaktionär einer US-Großbank), wurde in der gleichen Nacht operiert und erhielt die ansprechendsten Pflegerinnen aus dem Bestand des ohnehin schmucken Klinikpersonals. Seine Genesung ging voran und binnen zweier Wochen konnte ich diesen witzigen, doch greisen Bock wieder in dessen Reich sexueller Ausschweifungen heim holen.

Im Stile eines gedankenlosen Milliardärs misshandelte er nun Personal, beleidigte Nachbarn und entdeckte sein Interesse an Damen am Rande der Volljährigkeit. Ich nannte ihm meine Bedenken und den Namen einer früheren Jungfrau über dreißig, welche für ihre erschöpfenden Gelüste und deren seltenen Vornamen bekannt war. “Lourdes“ (so hieß die Dame mit den schlüpfrigen Fähigkeiten einer Töpferin) legte den betagten und rekonvaleszenten Fréderic im Sinne des Adjektivs “flach“. Nach bemerkenswerten 36 Stunden des Erschöpfungsschlafes bat mich Fred um den Gefallen der Einkaufsfahrt.

Kurz nach Sosua folgte – wie stets – der Blick auf die Zuckerfabrik von Montellano und zu unserer Rechten war eine Menschenansammlung zu sehen. Offenbar hatte sich ein Verkehrsunfall ereignet und so rollten wir langsam auf den Ort des Geschehens zu. Wie der mäßig schmerzliche, doch in seiner Unannehmlichkeit nachhaltige Stich eines Rosendorns traf mich der Anblick jenes vernichteten Geländewagens, welchen ich unbedingt dem bekanntesten österreichischen Künstler aus dem Genre der Populärmusik zuordnete. In der Tat hatte Falco (bis eben an der Dominikanischen Nordküste wohnhaft) an der “Parada Turistica“ zu Montellano seinen Niedergang gefunden und lag regungslos im Morast aus Erde, Blut und Wasser, um hier – seiner frühen Prognose folgend – den Künstlertod zu finden.

Über Jahre hatte ich nun für internationale Magazine und Tageszeitungen geschrieben, berichtet und photographiert. Der “Tod des Falken“ beendete die von dümmlichen Kommentaren begleitete Stille des österreichischen Pressewesens und bescherte mir über ein halbes Jahr intensive Arbeit sowie einen warmen Geldregen von moralisch zweifelhafter Reinheit. Die Chefredaktion des dereinst größten österreichischen Wochenmagazins entsandte die angeblich hübscheste Korrespondentin an meine Pforte und ließ die 13.000 Kilometer gereiste Edda (so der Name der schmalen Kricke) beinahe nackend um Bilder, Fakten und Gerichtsakten vorsprechen. Da ich bis ebendann eine Vereinbarung mit dem nicht unbekannten österreichischen Pressephotographen Franz hatte, wies ich jedes noch so feuchte Angebot der willigen Schreiberin zurück. Auf das Offert eines “Kompensationsf****“ rief ich meinen Geschäftspartner in Österreich an und erfragte dessen Konditionen. Als ich zum Missverständnis des Pressefräuleins im Zusammenhang mit dessen Kopulationsangebot die Summe von 15.000,00 US$ nannte, erschien ihr diese für einen lediglich dreistündigen sexuellen Zusammenstoß zu hoch. Nach Klarstellung der Leistungserbringung willigte Edda ein und übergab anstelle ihrer raren Körperflüssigkeiten eine Zahlungsverpflichtung über die vereinbarte Summe. Was offenkundig im entwickelten Interesse jener unreinen Presse-P**** stand, war die posthume und vollständige Zerstörung der Reputation eines verdienten Künstlers österreichischer Herkunft. Dies, da Falco sich zu Lebzeiten mehrfach gegen die bedenkliche Vermarktung seiner Person im Sinne skandalöser Publikationen ausgesprochen hatte. Kurz: Der Austro-Barde wollte sich über Jahre und keineswegs der verzehrenden Gier österreichischer Drittliga-Schreiber hingeben.

Nach dem bedauerlichen Ableben des Sängers Hans wurde dessen annähernd blutloser Körper auf die Ladefläche eines Kleinlasters gehievt. Da dem Sterbenden aus dessen demolierten Fahrzeug sämtliche Wertgegenstände entwendet wurden, dauerte die Überstellung des Leichnams zum für die temporäre Lagerung vorgesehenen Kühlraum etwa drei Stunden. Die karibische Sonne trug auf bekannt hoch energetische Weise zur raschen und stofflichen Veränderung biotischer Anteile im verbliebenen Leib des Falken bei. Der in einer Hauptstadt-Klinik durchgeführte Test zur Feststellung des Alkohol-Anteils im Blut erbrachte den schreiend unglaublichen Wert von 8,9 Promille! Exakt jenen publizierte das vorhin genannte Wochenmagazin als Ursache angeblich festgestellter Fahrunfähigkeit des Künstlers. Auch attestierte man post mortem noch Suizid-Absichten, um die gänzlich unzulängliche Recherche partiell zu stabilisieren. Der eilig nach Wien eingeflogene Klinik-Chef aus Santo Domingo bestätigte – freilich gegen Zahlung von US$ 80.000,00 – die “Richtigkeit“ seiner Anamnese.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten