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Corruption - Criminal Law - Finance - Health - History - Politics - Religion - Februar 13, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 15

Die Beschäftigung in der betreffenden Abteilung des Wiener Magistratischen Bezirksamtes führte ich fort. Nach Absolvieren mehrerer bedeutungsloser Kurse wurde ich einer Gruppe von Menschen zugeteilt, welche sich mit dem Inkasso von “Vergnügungssteuern“ beschäftigte. Die durch den Abteilungsleiter in bewusster Mehrdeutigkeit proklamierte Definition von “Vergnügen“ machte mich vollends stutzig, als ich mit meinem damaligen Kollegen und Partner (der Besuch jener Etablissements war im Alleingang untersagt) das erste und letzte Mal in meinem Leben ein Bordell betrat. Bezeichnender Weise wurde jener Laden als “Reitschule“ tituliert. Gleich nach dem Eintreten kam eine junge Serbin auf uns zu und fragte in schlechtem Deutsch: „Wollen Muschi fi****?“ Auf mein: „Nein, danke.“ fragte Sie: „Griechisch?“ Ich merkte, dass ich wider Erwarten errötete. Da mir jene dreckigen Fragespiele die Geduld raubten, zeigte ich meinen Dienstausweis und Kollege Robert präsentierte durch Öffnen seiner Jacke nicht ohne dümmlichen Stolz seine Waffe. Es wurden nach Aufforderung die Türen aller Séparées geöffnet, wodurch das Ausmaß an Schmutz und Gestank erst offensichtlich wurde: Vier weitere, sehr junge Damen kamen zum Vorschein und wischten sich nach getaner Arbeit ihre Scham mit Handtüchern trocken. Ihre partiell zahnlosen Münder lächelten uns ängstlich an und deren in knappe Büstenhalter genötigten Brüste waren von Kratzspuren, Blutergüssen und Saugflecken bedeckt. Nervös zupfte sie ihren Rock zurecht und machte mich – vermutlich ungewollt – auf den Strom hellen Blutes aus ihrem Schritt aufmerksam. „Robert, wir gehen. Diese Steuerprüfung ist abgeschlossen.“ sagte ich. Zur Dame gerichtet sprach ich: „Mädchen, Deine Mutter wird gewiss vor Sorge um Dich vergehen. Komm, mache Dich auf den Weg nach Hause. Morgen ist diese Hütte dicht. Ich werde veranlassen, dass jene Bude geräumt wird.“ Leise antwortete Sie: „Danke. Du bist gute Mann.“ Um mir im dumpfen Licht ihr Gesicht einzuprägen, trat ich knapp an sie heran und flüsterte: „Vermutlich bin ich nicht gut genug. Noch nicht.“

Auf dem Rückweg zur Dienststelle schrieb ich in knapper Formulierung meine Kündigung. Der persönlich ausgetragene Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Behördenwillkür sollte von nun an mit aller Kraft seine Führung finden. Der Verlust von Reputation,wirtschaftlicher Stabilität und Nachtruhe waren mir ebenso egal, wie der angedrohte Entzug der österreichischen Staatsbürgerschaft.

Öffentlich und gewohnt angstfrei stellte ich Kanzler, Fraktionsführer, Kommunalpolitiker und Wirtschaftsgranden bloß. Binnen weniger Monate sammelte ich (zu meinen Lasten) Akteneinträge, Überwachungsnoten und Strafmandate. Schließlich wurde ich zum Gespräch bei der “STAPO“ (“Staatspolizei“) in Salzburg vorgeladen. Dialog: „Grüß Gott, Herr Landon. Gut, dass Sie Zeit gefunden haben.“ Ich: „Hatte ich eine Alternative?“ Kommissar: „Eher nicht.“ Ich: „Warum also diese Formalitäten?“ Kommissar: „Seien Sie nicht ungehalten!“ Ich: „Gewiss möchte ich meine Zeit besser nutzen, als mit Ihnen zu plaudern.“ Kommissar: „An Ihrer Stelle würde ich etwas die Luft anhalten. Sie sind ja kein unbeschriebenes Blatt. Merken Sie sich, dass wir uns hier die Ausländergesetze immer noch selbst machen. Einen Herrn Landon brauchen wir da nicht.“ Ich: „Wie Sie wissen, trage ich eine weiße Weste. Es gibt keinerlei Auffälligkeiten.“ Kommissar: „Ja, noch.“ Ich: „Oh, ich erinnere mich nun an historisch gewachsene Stilblüten. Vermutlich haben Sie vor dem Kürzel STAPO nur die beiden Buchstaben G und E vergessen.“ Kommissar (brüllt): „Sie sollten sich erinnern, wo Sie sind!“ Ich: „Ja, ich erinnere mich. Kennen Sie eigentlich den bekanntesten Ausspruch des Götz von Berlichingen?“ Kommissar: „Ich interessiere mich nicht für Kunst.“ Ich: „Schade.“ Kommissar: „Sie sollten einige Monate Urlaub in der Karibik machen, um etwas Gras über Ihre Aktivitäten wachsen zu lassen.“ Ich: „Auch künftig werde ich kommen und gehen, wann immer es mir beliebt. Sie könnten mich ja erschießen. Wie wäre das?“ Kommissar: „Ich sehe, mit Ihnen kann man nicht reden.“ Ich: „Vielleicht liegt es daran, dass wir unterschiedliche Sprachen sprechen.“ Kommissar: „Bitte gehen Sie.“ Ich: „Kürzlich habe ich gelesen, dass Salzburger Fremdenpolizisten gegen Leistung russische Prostituierte vor der Abschiebung bewahrten. Hatten Sie mit diesen Dingen zu tun?“ Kommissar: „Bitte gehen Sie endlich!“ Ich: „Ist mir unverständlich. Erst lassen Sie mich antreten und nun können Sie es kaum erwarten, mich weg zu schicken?“ Kommissar (schreit): „Dort ist die Tür!“ Ich: „Keine weiteren Fragen?“ Kommissar: „Raus!“

Nun hatte ich zwischenzeitlich Bekanntschaft mit der Stieftochter eines lokalen (St. Pöltener) Architekten gemacht, welche – so die wenig kluge Diagnose derer Mutter – angeblich unter Gefühlskälte (Frigidität) litt. Ob der nun erreichten Lebensgeschwindigkeit war mir entgangen, dass die kommende physische Nähe zu Astrid (so hieß die blonde Herzogin) auch die verbalisierten Intimitäten der Mutter mitführten. Als Astrid nun nach Erlaubnis ihrer Mutter bei mir nächtigte, zeigte sich deren Problem durch den Ausdruck purer Angst vor großen Schw*****. Um der jungen Dame jene Furcht zu nehmen, stellte ich ihr rechtmäßig in Aussicht, auf den Eintritt in ihr Schloss zu verzichten und vielmehr spüren zu lassen, dass die Zunge des Mannes keineswegs nur die Funktion des Sprechbehelfs erhalten hat. Astrid war binnen dreißig Minuten sieben Mal entzückt und musste dies – vermutlich aufgrund bestehender Abhängigkeiten – noch im Zustand schmeichelhafter Nacktheit per Telefon ihrer Frau Mama mitteilen: „Mutti, ich brauche doch keinen Psychologen, mein Tom hat mich überzeugt!“ Ich war unangenehm berührt und erhielt just beim nächsten Besuch derer Mutter eine Anfrage dieses vom Gatten geächteten Weibes: „Tom, ich wusste gar nicht, dass Du so ein Wilder bist. Meine Astrid hat mir schon erzählt, welch hübsche Dinge Du ihr geschenkt hast. Was braucht es, um diese zu erhalten?“ Astrid selbst führte eben den Hausköter (einen winzigen Rauhaardackel, welcher vor Aufregung kotzte, sobald er eine läufige Hündin sah) zum Pinkeln in die Allee und ihre Mutter mich in das eheliche Schlafgemach des suspekten Architekten. Ebenda vernahm ich aus dem Munde der heißen Reifen eine mehrdeutige Einladung in die Sauna und den Hinweis auf ihre Intimrasur. Da mich die Konstellation der Widerlichkeiten zunehmend gegen Astrid aufbrachte, nahm ich den Trennungsvorschlag der bockigen Dame nicht ungern hin. Nach nur vier Monaten war Sense und die Anzahl meiner Arbeitsstunden für eine lokale Druckerei verdoppelt. Jene Betätigung führte mich zahlreich und nächtens zur nächstgelegenen Burger-Braterei und sodann an die Nase von Renate (der Untreuen).

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten