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Health - History - Religion - Februar 11, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 12

Gleich, ob es sich um die betörenden Hinweise auf Transpiration, Liebestollheit oder Zorn handelt; für gutgesinnte Männer duftet die (potenzielle) Partnerin stets verlockend. Die natürlichen Düfte selbst sind es, die den jeweiligen Geschlechtspartner „paarungswillig“ machen. Mangels Gelegenheit blieb ich in meiner Denke beim Duft, dem all mein Sinnen galt. Die Faszination, die Frauen auf ihre Männer ausüben, ergibt sich wohl aus der wahrlich geglückten Kombination von Sanftmut und Koketterie. Die zudem ständig präsenten Verlockungen durch sämtliches, was die Frau zur Frau nun macht, lassen den weltlich bevorzugten Verstand so manchen Mannes mitunter völlig aussetzen. Betrug und Zügellosigkeit sind keinesfalls Produkte von Schönheit, Ehrgefühl und Treue. Nicht die Frau und ihre Düfte, vielmehr doch die mangelhafte Konstruktion des Mannes schienen mir Auslöser all jener Laster. So sprach einst auch ein mir bekannter Pfaffe: „Die Schuld am Laster trägt die Frau. Ihr sündiges, unverhülltes Auftreten befleckt des Mannes Sicht und Sein. Die Frau soll an den Herd, gebraucht als Apparat und rechte Hand des Gatten, verborgen nur im Schatten sein.“ Nun: Niemals hat jener je geliebt. Das Glück der Partnerschaft erkannt. Auch fragte ich mich, wie ein Mann des Wortes Werke preisen kann. Dem echten Mann, dem liebevollen Partner “seines Weibes“ ist bewusst: Die Frau ist und bleibt sein Lebensinteresse. Denn für den Mann ist sie Prinzessin, Geliebte und auch Freund.

Natürlich ist nicht jede Frau geeignet für die Liebe. Des Schwachen letzter Hieb ergibt sich aus der Ohnmacht. Der fehlende Besitz an Frauen (für sich genug) macht manchen Werber oft zum Schaf, zum Affen oder Spießer. Der Duft betört, das Hirn steht still. Weil nicht aus Lust erhältlich, kauft der Idiot des Weibes Gunst. Peinlich und auch widerlich.

Zu dumm sind viele, um den Reiz zu hören, verstehen, zu verstärken. Nichts leichter, als zu lieben, was liebenswürdig ist. Die Einfachheit der Dinge ist vielen Hindernis. So bedarf es keiner List und keines Planes, geliebt, gewollt und toll zu sein. Was soll man suchen, wenn man hat? Im Klartext: Vermutlich sind es nicht die Farben vieler Frauen, die die Zufriedenheit des Mannes ausmachen. Vielmehr beglückt die Buntheit seiner Liebsten, der wahren Frau des Herzens. Denn nur das Wissen um den Schatz macht diesen wichtig.

Die Religion der Menschen könnte helfen. Der wahre Glaube nämlich macht uns monogam. Tatsächlich! Gefragt ist dort die Treue, verpönt ist da Betrug. Glaubt man(n) nun und hält man fest, so fällt die Treue keinem schwer. Wie herrlich muss es sein, sich nur der Partnerin zu stellen. Gehört man ihr, so ist man frei. Entzieht man sich, heißt das Verlust. Verloren ginge Liebe, die Sicherheit zum Sein. Ein „Seitensprung“ bedeutet den Sprung ins Nichts. Wie wahr, auch fremde Frauen duften. Ja, herrlich, wunderbar. Doch dachte ich an Sachen, an Dinge für den Gebrauch (als Beispiel): Der Diebstahl ist Verbrechen. Das Rauben noch vielmehr. Wie kann der Ehebruch dann ein Delikt des „Kavaliers“ sein? Gesprochen wird vom “Missgeschick“, dem Handeln aus der Norm. Mehr trefflich wäre „Dummheit“, „Verderbtheit“ und „Verdruss“. Betrug ist gleich mit Lüge – und gelogen wird zu oft. Das heißt, dass der Betrüger dem Charme, dem Sex und auch dem Duft erliegt. Wie paradox.

Die Frau zu kennen, die mich liebt, war mir Liebe sehen. Die Liebe pflegen, die sie gibt, hieß sie zu haben, nicht zu fordern. Dem Menschen dienen, dem ich bin, war mir Verdienst. So schien mir der Duft der Frauen Gewinn und Fortschritt im Leben mit den Reizen, die mich fruchtbar machen würden.

Dann schloss ich die Augen, hörte den Gesang der Vögel und die Ansprache des aufkommenden Windes im Gebüsch.

Was ich empfand, waren die emotionalen Bastionen an Harmonie und Reinheit. Erstaunlicher Weise erhielt ich bereits in solch jungen Jahren den Hinweis, dass für des (menschlichen) Rammlers‘ Auge die Frau nur Busen, Po – der Mann für Frau bloß Phallus und Bein ist. Bestiegen wurde, was Brüste hat, geködert, was potent. Liebeskunst, oh ja, Liebeskunst war und ist anders. Die Bemühung um den Zustand braucht Geduld und auch noch Glauben. Wer sie begehrt, die Liebeskunst – die Kunst zu lieben -, hat große Zeiten zu erwarten. Denn der Geber erhält den Lohn, der Nehmer nur Verdruss. Sich Liebe holen, war mir Diebstahl, sie sich verdienen, einzig Glück.

Seit dem vermeintlichen Beginn allen Lebens besteht der Antrieb, der Inhalt und Sinn des Lebens selbst – die Liebe eben. Der Zweck dieser Empfindung – jener Regung, wie Atem und Gesang -, war mir Grundlage zum Erhalt von Leben und Fortbestand der jeweiligen Spezies. Nun betrachtete ich dieses Leben – wie andere Dekaden auch – als eine Art Bewährungsprobe, wie eine Schulklasse: Jener, welcher es vermochte, die Liebe nach menschlichem Ermessen an die Vollendung zu führen, zeigte sich reif für den Aufstieg in die nächste Phase. Versager waren – ausnahmslos – all jene, die dort prügelten, hassten und betrogen. So versuchte sich der Unfähige beständig in der Darstellung des Kavaliers, des Smartiers. Tatsächlich und ausschließlich dienten jene „Abstecher“ der Reduktion des Drucks – am Scrotum (lateinisch „Hodensack“). Wie wahr, eine höchst sonderbar anmutende Umschreibung – trotzdem trefflich.

Nun, Liebeskunst – so auch Sexualität – hieß Freude an den Berührungen, dem Musizieren am Körper des Liebespartners (des echten Liebenden). So ergaben sich Sonaten, Symphonien und musikalische Schwänke. Wahre Meisterstücke. Nacktheit als Zeugnis von Vertrauen und Größe brachte paradiesische Zustände und kindliche Freiheiten. „Wären alle nackt“, so dachte ich, „so hieße dies das Ende von Spießertum und pervertiertem Verhalten“. Den Urzustand (Eden gleich) wieder herzustellen, wollte ich versuchen. Ausnahmslos.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten