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Health - History - Religion - Februar 7, 2024

Buch ‘GELIEBTE HONIGMAUS’ – Kapitel 11

Wider Erwarten durfte ich im Alter von 15 Jahren dem Sportverein Petzenkirchen beitreten, welchem mein Vater bis zu seinem Tode über Jahrzehnte angehörte. Nicht erfolglos war ich Teil der Jugendmannschaft in der Position des Stürmers und erzielte im ersten Spiel meiner kurzen Fußballer-Karriere das entscheidende Tor durch einen Kopfstoß. Es regnete in Strömen und die Torräume waren zu Matschbecken geworden. Nach verdientem Sieg begab ich mich also nach Hause und bestieg die Sitzwanne des kleinen Bades. Nachdem ich die Dreckkruste von meinem Körper gewaschen hatte, hörte ich plötzlich wildes Geschrei und hartes Pochen an der Badezimmertüre. Meine Grußmutter Maria war zugegen und versuchte die Schlägerei meines Vaters zu stoppen, indem sie sich gegen den eigenen Sohn richtete. Da ich um das Leben meiner Frau Mama besorgt war, drückte ich die Tür von innen auf und sah, dass meine Mutter aus Mund und Nase blutete. Ihr ruheloser Gatte hatte ihr bereits mehrere Zähne ausgeschlagen und derart schlimme Hiebe verpasst, dass ihr die freie Bewegung kaum mehr möglich war. In Unterhosen folgte ich der Flucht meiner Mutter durch den Hintereingang und traf im Treppenaufgang des Hauses meiner Tante diese (meine Mutter) zerbeulte, geschundene und geschändete Frau wieder. Imposanter weise trat aus der Vielzahl ihrer Verletzungen und Blutungen eine Regung heraus, die mir oftmals im Leben zur Erlangung meiner Ziele gereichen sollte: Entschlossenheit. Kurzfristig brachte Mutter also die Scheidung ein, bat meinen Großvater um Hilfe und erhielt – zu Recht – jene Unterstützung, welche der Vater seinem Kinde stets gewährt. Die Scheidung entsprach – im Sinne des Ausdrucks – einem “kurzen Prozess“. Richter: „Haben Sie Ihrer Frau Betrug, Faulheit oder ähnliche Fehlschläge vorzuwerfen?“ Vater: „Nein, meine Frau hat immer gut gekocht, war mir immer treu und unseren Kindern eine gute Mutter.“ Richter: „Beanspruchen Sie das Sorgerecht für die Kinder?“ Vater: „Nein.“ Richter: „Somit erkläre ich diese Ehe für geschieden.“

Mutter hatte es geschafft: Nach 23 Jahren der Duldung, Erniedrigung, des Missbrauchs sowie massiver körperlicher und seelischer Verletzung entwich sie der Umklammerung des Feindes in ihrem Bett und überlebte in ihrer angestammten Struktur unerbittlicher Härte, doch unübertroffener Sittlichkeit. Kürzlich war mir, als würde ich das 16. Lebensjahr nicht erreichen, doch nun schien klar, dass diese Existenz noch einige Jahre reifen durfte.

So küsste ich erstmals Anita und traf mich wiederkehrend mit Marina. Diese Liebeleien waren eben solche und ließen mich schmecken und ertasten, was bis dato nur Anteil meiner Vorstellung war. Aus dem 1,56 Meter kurzen Sitzriesen war ein 1,86 Meter langer Hecht geworden. Die jungen Damen zogen es während des Unterrichts vor, dicht – meist Hand in Hand mit der Sportskanone – an mir zu sitzen, anstelle unter ihresgleichen zu verweilen. So hatte ich in meiner Rechten das zarte Händchen von Karin und durfte mit meiner starken Linken das Pfötchen von Anita wärmen. Was den meisten Mädchen (so auch den wahren Frauen) eigen scheint, sind stets kalte Füße, Hände und Gesäße. So war also der Einen frierende Zier und Plage des Anderen empfängliche Lust.

Monate zuvor hatte ich Freundin Liane (die Schöne) noch anmerken hören, meine Mundwinkel wären stets traurig nach unten geneigt, die Augen meist gerötet und mein Auftreten von Ausweglosigkeit und Unglück belastet. Nun durfte man mir zu Recht Frohsinn, Witz und meinem Alter entsprechendes Verhalten attestieren. Binnen eines Jahres war ich in der Tat um 30 Zentimeter (!) gewachsen, stimmlich vollständig gereift, sportlich schier ohne Leistungsgrenze und persönlich von Tatendrang und planvollem Handeln getrieben. Da ich nun auch Taschengeld bekam, konnte ich unter Verzicht auf so manche Wurst- oder Fleischsemmel jene Bücher erwerben, welcher ich über Jahre meiner Leselust niemals habhaft werden konnte. Über die folgenden Lenze bis zu meinem 33sten Lebensjahr sollten es rund 3.500 Bücher sein, von welchen ich – ungeachtet meiner Buch-relevanten Habgier – zumindest 1.800 (mitunter mehrfach) vollständig lesen durfte. Ein Segen. Meine schulischen Leistungen konnten zumindest soweit zunehmen, dass ich nach bestandener Nachprüfung die letzten beiden Jahre der Handelsschule in Ybbs/Donau absolvieren und somit den wenig glorreichen, doch willkommenen Abschluss zu realisieren vermochte. Da ich sodann fest entschlossen war, meine intellektuellen Möglichkeiten in unermessliche Wissensweiten zu bilden, verlor ich mich in der Absicht, nebst der nötigen Arbeit noch das daraus lukrierte Geld für Kurse, Lehrgänge, Abendschule und ähnliches Treiben zu investieren. Der mir längst verpasste Spass-Titel “der Professor“ war mir wohl peinlich, doch trieb mich an, aus dem unliebsamen Scherz auf meine durchaus streitbare Person Wahrheit werden zu lassen.

Erstaunlicher Weise fand ich bei einem vor-alpinen Wanderabenteuer just im katholischen Petzenkirchen ein farbiges Porno-Heft mit eindeutigen und detaillierten Darstellungen sexueller Handlungen. Diese Freiluftaufnahmen aus der Wüste bereicherten die phantastischen sexuellen Überlegungen des gänzlich unerfahrenen Landeis um die Größe des tabulosen Beischlafs. So stellte ich mir vor, wie die mittelfristig zahlreich besamte Gespielin im Verlauf des Schul- oder Arbeitstages andächtig und zart lächelnd in ihr Höschen fasst, vorsichtig ihre Schamlippen öffnet, einen Speichel gefeuchteten Finger in sich führt, diesen – vom Saft ihres Mannes veredelt – an ihre weiten Nüstern erhebt und den Duft von Liebe, Hitze und Wildheit atmend verschlingt. Das alles im Wissen: „Mein Geliebter ist bei mir, denn Tröpfchen-weise offenbart sich in und aus meiner Scham seine Präsenz wie ein Trost. Und: In wenigen Stunden gehört uns die nächste Nacht.“

Streng kirchlich war ich erzogen, doch gänzlich fehl waren an mir Katechismus, Züchtigungen und Belehrungen. Ich wollte nur die eine Erfüllung: Die Frau für mein Leben. Und kühn waren deshalb die Ideen, wohl rasant auch mein Denken über das andere Geschlecht: Ein wahres Gottesgeschenk war mir die Frau. Doch gepeinigt, betrogen und missbraucht wird dieser personifizierte Ursprung des Fortbestands an menschlichem Leben schon seit Jahrtausenden. Die Bibelschreiber vertraten einst die Ansicht, dass Gott wohl eine Rippe Adams nahm, um so die Grundlage zur Schaffung von Eva zu erlangen. Vermutlich falsch. Denn sollte Adam je wie die Männerschaft der Jetztzeit gewesen sein, so hätte Gott gewiss lieber den Steiß des Schimpansen zur Schaffung der Frau verwendet, als die Ausgeburt des Lasters noch optimiert zu vervielfältigen.

Nun, ich selbst war bereits und bin ein Mann (so meine Überzeugung). Absolut. Bedauerlich nur, dass kein Grund zum Jubeln über Qualität, Selbstbewusstsein und Brauchbarkeit des Männervolkes bestand. Doch lieber bedachte ich die Qualität der Frau: Stets reizvoll, umworben und beliebt ist das Weib – auch ob ihrer geschlechtlichen Vorzüge -, der Inbegriff menschlicher Begehrlichkeit. Ja, Stimme und Habitat schienen meist die Auslöser jener Empfindung, die mitunter beziehungsunfähige Forscher sogar mit chemischen Formeln zu umschreiben wagten: Der Liebe. Kommen sich zwei gleich Gestimmte – Mann und Frau nämlich – dann näher, strömt er endlich aus, der Duft der Frauen.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten