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Destruktive Wirkung der IT - März 15, 2024

Destruktive Wirkung der IT 09

Gewaltspiele im Rechnerverbund: Seit Beginn informationstechnologischer Entwicklungen gab und gibt es die Bestrebung, den Umgang mit Computern so verlockend wie moeglich zu gestalten. Dies aeusserte sich einst in der Umsetzung eines einfachen PingPong-Spiels fuer sogenannte “Konsolen” (mit Tastatur versehene Zusaetze fuer TV-Geraete) und wurde durch die spaetere Entwicklung mehrdimensionaler, aufwendig vertonter und nunmehr multimedialer Abenteuer- und Erlebnisspiele fortgesetzt.

Eine in der Tat bedauerliche Entwicklung mehr ist im Bereich der sogenannten “Unterhaltungselektronik” die Schaffung von Kriegs- und Genozid-Games. Die beiden, aktuell wohl begehrtesten Brutalversionen von Spiele-Software sind “Max Payne” und “Counter Strike”. Der Sub-Titel des “Mordspiels” Counter Strike lautet trefflich: “Eliminiere alle im Umfeld!” Ziel der Teilnahme an jenem Szenario ist es – so auch der Sub-Slogan -, durch ein Labyrinth von Hindernissen zu laufen, sich vielmehr durch dieses durchzukaempfen. Da das gaenzlich kriegerische und somit feindliche virtuelle Umfeld mit ebenso virtuellen Minen, Granaten, Rohrbomben, Flammenwerfern, Maschinenpistolen, Faustfeuerwaffen, Saeurepumpen und anderen Waffen belegt ist, bleibt dem nicht minder virtuellen Kaempfer nichts, als der erzwungene Massenmord an mehr oder minder aktiven Gegenspielern.

Zumal das Spiel “Counter Strike” besonders intensiv ueber aktive Internet-Verbindungen genutzt wird, toeten einander – voellig straffrei, weil virtuell – Menschen unbekannter Herkunft, zumal nur mit Pseudonymen bezeichnet. Da sich der optimiert gewaltbereite Counter-Strike-Fex gerne sogenannten “Rings” (also Gruppen oder Vereinen von Counter-Strike-Begeisterten) anschliesst, werden weltweit Treffen abgehalten und offen besonders raffinierte Toetungsvarianten besprochen.

Zu einem deratigen Treffen kam es im Jahr 2001 auch im Berliner Bezirk Wedding. Bei jenem Strassen-Meeting erkannten sich zwei einst virtuelle Kontrahenden, indem sie sich ihr jeweiliges Counter-Strike-Pseudonym nannten. Da sich einer der beiden vorab noch friedlichen Gegenspieler an die angeblich unfaire virtuelle Toetung durch den Kampfgegner erinnerte, gerieten beide dermassen in Streit, dass es zu einer Messerstecherei kam.

Erschreckend und erstaunlich zugleich ist eine weitere Tatsache: Die US-Armee versorgt seit dem Amtsantritt des Praesidenten George Walker Bush seine sogenannten “Freedom Troups” (uebersetzt: “Friedenstruppen”) mit Notebooks und Video-Spielen (so auch mit “Counter Strike”), um diese adaequat auf das jeweilige Kriegsszenario einzustimmen. Das Computer Spiel begleitende Agressions-Lieder wurden zudem als CD verschenkt. Einer der im Computer-Spiel vorkommenden Titel und extra fuer die US-Soldaten im Irak-Krieg auf CD publizierten Refrains lautet “Die, Mother F*****, die!” (“Stirb, Mutterschaender, stirb!”).

Da Millionen von Counter-Strike-Spielern ob des offenbar niedrigen Bildungsniveaus grosse Begeisterung fuer die Toetungen im Irakischen Kriegsgebiet zeigten, wurde (im Sinne des lateinischen Begriffs der Zeit “nach erfolgtem Tod”) posthum ein Release (also eine aktuelle Abwandlung) veroeffentlicht, welches Kriegsschauplaetze in der irakischen Wueste und – passend zum US-amerikanischen Feindbild – nur orientalische Waffengegner zeigt.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten