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Destruktive Wirkung der IT - März 6, 2024

Destruktive Wirkung der IT 04

Kinder und Computer: Nach einer Studie des Medienpaedagogischen Forschungsverbundes Suedwest, Stuttgart/Deutschland aus dem Jahre 2005 mit dem Titel “Medienumgang 6- bis 13-Jaehriger” wird bereits im ersten Kapitel das “Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen” im Rahmen der Normalitaet besprochen. Diese Tatsache belegt einmal mehr die beinahe parasitaere Platznahme der Informationstechnologie speziell in der kindlichen, mitunter fruehkindlichen Entwicklung. Sogenannte “Lern-Software” fuer Kinder im Kindergartenalter, “Forschungsprogramme fuer Kinder in den Grundschuljahren” und schockierender Weise “multimediale Erlebnisse fuer Saeuglinge und Kleinkinder” werden als “informationstechnologische Entwicklungshelfer” den Eltern jener Kinder dieser Zeit offeriert. Wohl liegt der fehlgeleiteten fruehkindlichen Entwicklung mitunter das erzieherische und bildende Versagen der Eltern zugrunde, doch haelt die Computer-Industrie einen wesentlichen Teil der Verantwortung in der Position des angepassten Lieferanten erziehungsfauler Vorfahren.

Dem Kind den Platz am Rechner mit Internet-Anbindung eher zu offerieren, als das Buch mit Abenteuergeschichten, ist gleichermassen verbrecherisch wie ignorant. So wurde im Rahme jener Studie des Medienpaedagogischen Forschungsverbunds SW die repraesentative Befragung von rund 1.200 Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren durchgefuehrt. Die Befragungsthemen schlossen Freizeitaktivitaeten, Themeninteressen, Medienausstattung, Medienbindung, Medienfunktionen, Computer (Nutzung, Meinungen, Alltagsumgang), Lernprogramme, Internet, Medienkompetenz, Nutzung von Mobiltelefonen und Gebrauch von mobilen Musikgeraeten (MP3 usw.) ein. Sowohl die Befragung der Kinder als auch die der “Haupterzieher” laesst eine Tiefsicht mit Bedacht auf die soziooekonomischen Verhaeltnisse zu. Eine der Erkenntnisse hieraus ist, dass bereits mehr als 63 Prozent der wiederkehrend befragten Kinder und Jugendlichen anstelle dem Lesen von Buechern, der Lektuere von Zeitschriften und/oder dem Hoeren von Radiosendungen den Verbleib am Computer vorziehen.

Ein selektives Gefaelle zugunsten des weiblichen Geschlechts ist auch hier feststellbar. So ziehen 67 Prozent der Jungen im Vergleich zu 58 Prozent der Maedchen die einsame Handhabe des Computers, der Spielekonsole oder der interaktiv bedienbaren DVD dem geselligen Spiel mit Freunden oder der sportlichen Aktivitaet unter freiem Himmel vor. Geschicklichkeits-, Abenteuer-, Gewalt- und/oder Denkspiele werden vorzueglich online, also per aktiver Internet-Verbindung bedient. Jener Umstand laesst die Bereitschaft zur gesprochenen Kommunikation zunehmend erlahmen. Kurz: Der Nachwuchs verkommt partiell zum Phrasensprecher, die natuerlich intonierte Sprache verliert sich unbemerkt im Positionskampf mit “virtuellen Kuerzeln”. Anstelle die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden mit “Danke, es geht mir sehr gut.” zu beantworten, senden “Computer-Kids” der Gegenwart einen “Smily” als digitalisiertes Zeichen ihrer persoenlichen Lebensumstaende. Der “Sady” hingegen steht fuer die virtuell transportierte Trauer, die Ungemach, die Ratlosigkeit oder den im Zweifingersystem getippten Hilferuf.

Suizid-Foren im Internet: Technisch ausgereift und hoch funktionabel sind sogenannte “Foren”, deren grundlegende Funktion die virtuelle Plattform fuer kommunikationsfreudige Besucher sein soll. Die Liste online diskutierter Themen ist schier unendlich, der Grad der Anonymitaet deren Diskutanten optimal. Kurz: Fuer die sich selbst mit Pseudonymen bezeichneten Teilnehmer gibt es keine Tabus und so werden Themen von Todeslust und Selbstmordplaenen ueber Sexualstoerungen bis zu Wahnvorstellungen und D*****ismus eroertert und mitunter hitzig wie freizuegig abgehandelt. Wohl die Spitze jener virtuellen Treffpunkte sind sogenannte “Suizid-Foren”, deren Betreiber mitunter selbst hochgradig selbstmorgefaehrdet sind und welche gar versuchen, moeglichst viele Gleichgesinnte zum kollektiven Freitod zu bewegen. Die technische Ausgereiftheit jener Scripte (meist Online-Software in den Codevarianten PHP/MySQL und/oder ASP/SQL und/oder CGI/HTML) ist oftmals das Produkt findiger Gratis-Software Entwickler, deren Zielsetzung durchaus edel ausfallen. Foren-Projekte, welche weltweit zum kostenfreien Download aus dem Internet bereit gestellt werden, urspruenglich fuer Loesungsfindungen im technischen, betriebswirtschaftlichen oder kreativen Bereich gedacht waren, finden unter Anwendung lebensmueder Benutzer ueberaus bedenklichen Einsatz.

Ein weltweit Bekanntheit erlangter und durchaus schauerlicher Fall des Missbrauchs virtueller Kommunikationsplattformen ist jener des sogenannten “Kannibalen von Rotenburg”, Armin W. (44), welcher ueber das Internet gleichgeschlechtliche Bekanntschaften gesucht und gefunden hatte, um schliesslich einen jener Gleichgestoerten vor laufender Kamera genital zu verstuemmeln, zu schlachten und schliesslich teilweise zu verspeisen. Die Anbahnung jener Schreckenstat erfolgte auf sicherem Wege, naemlich ueber den Versand verschluesselter e-Mails und die totale Verschleierung der wahren Identitaet des Ueberlebenden (Taeters) und des Getoeteten.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten