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Anatomie einer Beziehung - März 24, 2024

Anatomie einer pathogenen Beziehung 06

Strahlend trat der Sonnenschein des 1. Juni 2007 durch das Fenster. Leise hörte ich das Kichern und Plaudern der Kinder, welche eine Etage höher am ausgebauten Dachboden wohnten. Rhythmisch surrte die Eisenbahn des einstigen Geburtstagskindes im Kreis und niedlich sang das Zwillingsmädchen sein “I Cried For You“ von Katie Melua, welches wir am Vortag in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums noch gemeinsam angestimmt hatten. Vorsichtig tippte Lisa mich an der Stirn an und fragte: „Tommi, kannst Du mir verzeihen? Im Moment weiß ich selbst nicht, was mit mir los ist. Ich glaube, dass die Summe der Geschehnisse mir einfach den Nerv raubt. Bitte entschuldige.“ Ich nickte und sprach: „Warum beschimpfst Du mich immer so arg? Jede Erniedrigung sitzt tief und bleibt erhalten. Bitte zügele Dich.“ Widersinniger Weise antwortete sie nun: „Ach, l*** mich doch am A****. Mit Dir kann man nicht reden. Ich habe eben um Verzeihung gebeten. Und Du schuldest mir ohnehin eine Entschuldigung für Deine widerliche Idee, das Gespräch mit den Feinden in Berlin zu suchen. Also, ich warte.“ Nun gab ich ihr zu verstehen, dass es hier keinen Grund für mich gab, meinerseits eine Entschuldigung auszusprechen. Wütend sprang sie auf, rannte die Treppe zum Dachboden hoch, drängte ihre Kinder, sich eiligst anzukleiden, warf hastig Lebensmittel, Badeutensilien und Spielzeug in die Taschen, drängte ihren Nachwuchs in den PKW und raste den Berg hoch. Da ich nicht wusste, welches ihr Fahrziel war, schloss ich die Haustür von innen und machte mich an die Säuberung von Küche, Schlafzimmer und Kinderetage. Nach Beendigung meiner Hausarbeiten verließ ich das Gebäude, um die Umgebung zu erkunden.

Unweit des Landhauses befand sich eine alte Viehtränke. Erfreulich zeigten sich üppig gefüllte Blumentröge mit wohl gedeihenden Pelargonien, Gruppen aus “Fleißigem Lieschen“ und Fuchsien. Gluckernd fiel der Wasserstrahl in das ungetrübte Becken und ohne Scheu kamen Rotkehlchen, Sperlinge und Amseln an den Rand, um sich zu laben sowie im flachen Gerinne der Tränke ein Bad zu nehmen. Es herrschte absolute Stille. Hübsch klein und gut überschaubar wirkte die Ortschaft “Gex-la-Ville“ auf mich.

Plötzlich rauschte mit brüllendem Motor ein PKW auf mich zu. Eilig drehte ich mich um und sah den Wagen Lisas‘ ungebremst anfahren. Schnell sprang ich zur Seite und blieb nur deshalb unverletzt, da Lisa in Ihrer Rage den PKW erst etwa einen Meter nach meinem einstigen Stehplatz zum Halten brachte. Dann ließ sie das Seitenfenster hinunter, um mich anzusprechen: „Steig schon ein, Tommi! Die Kinder und ich haben ein tolles Freibad in “Divonne-les Bains“ entdeckt. Komm, lasse uns alles vergessen und mit den Kindern endlich schwimmen. Komm!“

Ungern verließ Lisas‘ älteste Tochter den Beifahrersitz, kletterte in die Mittelreihe des 7-Sitzers und nahm murrend den Platz neben ihrem ältesten Bruder ein. Kaum war ich zugestiegen, raste Lisa in hohem Tempo los und hielt das Fahrzeug nach Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln erst wieder an, als wir am Parkplatz des Schwimmbades angekommen waren. Sofort stieg ich aus, öffnete an sicherer Stelle die hinteren Türen des Autos und ließ die Kinder das überhitzte Innere verlassen. Nach Erwerb der Eintrittskarten und Finden eines Liegeplatzes streiften wir den Zwillingen Schwimmflügel über, wiesen die Kinder an, stets vorsichtig zu sein und gestatteten allen, frei im großen Becken zu schwimmen.

Da der Mittag überschritten war, bereiteten wir das verspätete Frühstück, indem wir sämtliche Speisen und Getränke pfleglich im Zentrum der Decke drapierten. Lisa rief die Kinder herbei und die Familie begann, das Essen einzunehmen. Unter lustigem Schmatzen und hastigem Würgen begannen die Kleinsten, die längst fällige Morgenmahlzeit in sich zu stopfen. „Esst langsam, Mäuse, keiner nimmt Euch etwas.“, wies ich freundlich hin.

Den Kopf seitlich zum Quernicken neigend sagte Lisa: „Tom, ich muss kurz zur Umkleide. Bitte begleite mich. Die Kinder können problemlos alleine weiter essen.“ So kam ich mit ihr. In beide Richtungen blickend öffnete Lisa die Tür einer Umkleidekabine, schob mich in deren Inneres und verriegelte die Tür vorsorglich. Nun zog sie eilends ihren Bikini aus, nahm mir meine Badehose und begann, an meinem S****** zu s*****. „Schwanger kann ich nur dann werden, wenn Du mich regelmäßig f*****. Also: Hier!“ Nun legte sie sich rücklings auf die Sitzbank der Umkleide, öffnete ihre Beine weit, zog ihre L***** breit, klatschte eine Hand voll Speichel an ihre S***** und holte mich zu sich. „Los!“, raunte sie. „Als hätte man mich jemals darum bitten müssen.“, dachte ich.

Etwa 20 Minuten später nahmen wir erneut bei den Kindern Platz und beendeten unser spätes Frühstück überraschend befriedigt. Nun spielten die Kinder wild und unbeschwert im Wasser, kamen gelegentlich auf die Decke, um sich in der Sonne zu wärmen und verlebten einen guten Tag. Als die bevorstehende Schließung für den Tag über Lautsprecher angekündigt wurde, betraten wir gleichsam die Duschen und machten uns zum Aufbruch in Richtung “Gex-la Ville“. Endlich erreichten wir unser noch neues Zuhause. Gemeinsam brachten wir die Kinder zu Bett und versicherten uns von deren raschem Einschlafen.

Als die Dunkelheit vollends eingebrochen war, nahmen Lisa und ich auf unserem Matratzenlager Platz, sprachen einige Erlebnisse mit den Kindern an und vereinbarten, uns wenige Minuten später, also nach dem Zähneputzen, wieder am Bett zu treffen. Da sie nun lange nicht wieder gekommen war, suchte ich sie im Untergeschoss, wo ich sie schließlich auch fand. Das Display ihres Mobiltelefons anstarrend, saß sie auf dem Fliesenboden des noch ungenutzten Salons neben der Küche. „Lisa, was ist geschehen?“, fragte ich. „Ach, nichts. Hans, der A**** hat mir geschrieben, ich solle ihm sofort meinen PKW übergeben, da er sonst Anzeige wegen Unterschlagung erstatten würde.“, antwortete sie. „Ich dachte, dieses Fahrzeug wäre Deines. Ist das so?“, fragte ich. „Was willst Du von mir, Tom? Du siehst doch, dass ich mich ärgere. Warum diese blöde Frage? Natürlich ist das mein Auto. Hans hat lediglich den Kreditvertrag mit unterschrieben, da ich aufgrund schlechter Bonität einen Bürgen brauchte. Hätte ich seine Unterschrift nicht gebraucht, würde ich mit diesem widerlichen Kerl niemals gesprochen haben. Jetzt lasse mich endlich in Ruhe. Verzieh Dich besser.“, entgegnete sie.

Die Härte und Kaltblütigkeit im Umgang mit anderen Menschen ließ mich ohne weiteren Einwand in das oben gelegene Schlafzimmer wechseln. Offenbar kommunizierte Lisa mit einigen Personen per Kurznachricht und versuchte, die Forderung des einstigen “Freundes der Familie“ durch niedere Anklage dessen zu kompensieren.

Etwa eine Stunde später betrat sie den Vorraum zum Schlafzimmer, machte alle Lichter an, riss die Schlafzimmertüre auf und brüllte: „Raus aus meinem Bett! Ich will alleine sein! Du kannst ja auf dem Flur schlafen.“ Ohne Verzögerung zog sie eine der beiden Matratzen an sich, trat mein Kopfkissen zur Tür hinaus und warf die Matratze hinterher. „Raus!“, schrie sie. Durch diesen Lärm waren die beiden Ältesten erwacht und kamen mit besorgten Gesichtern die Treppe herunter. „Mama, was machst Du mit Papa?“, fragte der älteste Sohn Lisas‘, der eben noch sah, dass Lisa mich unverhofft gegen den Türrahmen stieß. Forsch nahm sie ihn am Arm, zog ihn zur Seite und forderte beide Großen auf, sich sofort zurück zu ziehen. „Verschwindet!“, rief sie. Nun aber änderte sie ihre Meinung: „Nein, andersrum! Du schläfst hier und ich wechsle zu den Kindern! Hier, nimm Deine blöde Matratze und geh mir aus den Augen!“, verlangte sie.

Um den Kindern weitere Sorge zu ersparen, nahm ich meine Matte und das Kissen, wartete, bis sie das Zimmer verlassen hatte und legte mich direkt vor die Zimmertür, sodass sie mich im Schlafe nicht überraschen konnte. Es vergingen lediglich 10 Minuten, bis sie erneut an die Tür kam. „Raus aus meinem Schlafzimmer, Du blödes S******! Raus hier!“, brüllte sie. Ich sprach durch die Tür auf sie ein und dachte, auf diese Weise die Ruhe wiederherstellen zu können. Lisa jedoch rannte von außen gegen die Tür und drohte, mit dem Kopf voran durch das Glas zu springen. Um mich zum Öffnen der Tür zu bewegen, versprach sie mir, nun ein letztes Mal den Raum wechseln zu wollen. Gleich öffnete ich die Zimmertür auf etwa 15 Zentimeter. Plötzlich fasste Lisa durch den Türspalt, verkrallte sich an meiner rechten Backe direkt unter dem Auge und schlug mit der Faust des zweiten Armes nach. Unglücklich traf sie mich an der Oberlippe, sodass mir diese sofort aufsprang. Blut ergoss sich reichlich über mein Kinn und weinend kamen die großen Kinder aus dem Hintergrund auf sie zu. Nun drängte sie mit ihrem halben Körper in die Tür und biss mich in die rechte Schulter. Als der Glaskern durch lautes Knirschen aus dem Rahmen zu brechen drohte, gab ich vollends nach und ließ sie in das Zimmer. Nun machte sie einen Hechtsprung in meine Richtung und fasste mich im Würgegriff mit beiden Händen am Hals. Einem elften Gebot gleich hörte ich sodann die über 16 Jahre dauernde, beinahe tägliche Ermahnung meiner Mutter: „Ein Mann, der eine Frau schlägt, ist kein Mann.“ Als mich Lisa nun auch noch in die rechte Wange biss und sich durch stetes Zucken ihrer Kiefer kein Loslassen abzeichnete, riss ich sie von mir, packte sie am Haarschopf, drehte diesen zu einem Strang und drückte sie – mit dem Gesicht zum Parkett – zu Boden. Nun schrie sie außer sich vor hasserfülltem Zorn: „Du Dreck*******, ich wusste, dass Du wie Dein Vater bist! Du bist ein Schläger!“ Sofort entgegnete ich: „Ich habe Dich nicht geschlagen, doch möchte ich mich von Dir nicht weiter traktieren lassen. Halte still und es bleibt für Dich lediglich bei der Erfahrung, sich der wahren physischen Kraft zu unterwerfen.“

Nun trat sie wieder in das Befinden ihrer vermeintlich “guten Persönlichkeit“ ein und sprach: „Tommi, ich entschuldige mich auch gleich bei Dir. Ja? Ich verspreche Dir, Dich nicht mehr zu schlagen. Bitte lasse mich los, um mit Dir reden zu können.“ Da ich in jener Situation ihre volle körperliche Schwäche erkannt hatte und sie mir sonderbarer Weise leid tat, ließ ich sie los und nahm, um fairer Weise eine ähnlich geartete Position zu erhalten, neben ihr am Boden Platz. Binnen einer Sekunde war sie aufgesprungen, täuschte den Abgang vor, drehte sich um und trat mich mit ihrem rechten Fuß an den linken Schädel. Sogleich war mein Ohr betäubt, mein linkes Auge geschwächt und mein Nacken schmerzlich versteift. Ehe ich mich schützend abwenden konnte, trat sie erneut zu und schien einem Gewaltrausch verfallen zu sein. Nach dem fünften Tritt fing ich ihr Bein ab, drehte dieses einmal vollständig und brachte sie auf diese Weise zu Fall. Endlich bekam ich sie gänzlich zu fassen, zog die Ärmel ihres Pyjamas lange und verknüpfte diese, sodass sie mit ihren Armen und Händen nicht mehr zu schlagen konnte. Der üppigen Füllung eines Eierkuchens gleich rollte ich sie zur Sicherheit in eine der am Boden liegenden Badematten ein. Nun griff ich rasch einen Anzug sowie ein weißes Hemd aus dem Schrank, nahm meine Dokumente und stieg ohne Socken in die Schuhe. Dieses T*****sweib zu verlassen, hatte ich eben beschlossen. Meinem Codex entsprechend, hatte ich sie nicht geschlagen. Dennoch war mir übel vor Erregung, da ich mir bereits als Kind zugesichert hatte, mich nie wieder ungesühnt dreschen zu lassen. Eilig küsste ich die beiden Großen auf Stirn und Wangen, sagte ihnen, dass ich sie von ganzem Herzen liebe und verließ das Haus.

Als ich etwa zwei Minuten später eines der Nachbarhäuser erreicht hatte, hörte ich ihr lautes Kreischen durch die Gassen. „Tom, Tommi, bitte verzeih. Ich liebe Dich! Nur Dich! Für immer! Verlasse mich nicht! Bitte!“ Gleich heulte der Motor ihres Wagens auf und quietschend drehten dessen Reifen auf dem Asphalt der Straße durch. Da ich fest entschlossen war, diese Frau für immer zu meiden, verbarg ich mich hinter einer Ansammlung von Mülltonnen, welche für den nächsten Haus zur Leerung bereit gestellt waren. Aus offenem Fahrerfenster schreiend und wiederkehrend hupend brauste Lisa los. Als sie für mich außer Hörweite war, drehte ich um und rannte an unserer Unterkunft vorbei in die entgegengesetzte Richtung ihrer Fahrt. Binnen weniger Minuten hatte ich das Ortsende erreicht und marschierte nun bei leichtem Nebel und völliger Dunkelheit in Richtung Genf. Einzig die am Himmel stehenden und durch die geringe Bewölkung lugenden Sterne waren mir Helfer in der Beibehaltung des rechten Pfades. Die Sterne waren es, welche mich nach Ankunft in der Schweiz begrüßten, diese waren es auch, welche mir den Abschied aus Frankreich erleichterten.

10 Stunden war ich nun zu Fuß unterwegs, längst strahlte mir die Morgensonne an die Wunden und endlich erreichte ich den Flughafen Genf. Da meine Ersparnisse beinahe aufgebraucht waren, lag mein Interesse darin, durch Buchen eines Billigfluges nach Österreich zu gelangen. Glücklicher Weise wurde ich bei einem der Anbieter fündig, erlangte ein Ticket über Amsterdam nach Linz und nahm schließlich auf einer der vielen Bänke Platz. Gleich zog ich die Schuhe aus und sah, was ich über rund 50 Kilometer ohne Nachschau ertragen hatte: Kreisrund waren die Versen von der Fußsohle bis zum oberen Rand der Knöchel gehäutet. Derart nässend und blutend mochte ich meine braven Füße nicht belassen. Also zog ich die Schuhe wieder über, hinkte in das Flughafenpostamt, erwarb eine Rolle Klebstreifen (Packband) und begab mich auf die nächste Toilette. Nun schloss ich mich in einer Kabine ein, zog die Schuhe erneut aus und riss die an beiden Versen hängenden Hautklappen von den Wunden. Final versiegelte ich die offenen Stellen mit Klebeband, zog meine Schuhe wieder an und begab mich zum Abflugschalter.

Da ich stets in der Überzeugung wuchs, dass physischer Schmerz ähnlich dem Kälteempfinden relativ war, beflügelte mich die körperliche Pein in der Wiedererlangung meiner Freiheit.

© Tom Landon, Autor – alle Rechte vorbehalten